Archiv für Februar 2010

Am Freitag kommt der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Berlin. Er erhofft sich davon „politische und moralische Unterstützung“.

Wie der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis am Sonntag verkündete, braucht Griechenland besonders Hilfe gegen die „katastrophalen Spekulationsaktivitäten“.

Nach seinen Worten will Athen von der EU aber keine finanzielle Hilfe oder einen Schuldenerlass fordern. „Griechenland wird die Schulden bezahlen“, bekräftigte Petalotis. „Niemand erwartet, dass irgendein Steuerzahler in der EU für Griechenlands Schulden aufkommen soll.“

Na hoffentlich!

Nach Ansicht von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker muss Athen seinen Sparkurs noch einmal verschärfen. „Griechenland muss seine Bemühungen verstärken und weitere Maßnahmen zur Reduzierung seines Defizits ergreifen“, sagte Juncker der griechischen Tageszeitung „Eleftherotypia“.

„Wenn die Regierung uns nicht überzeugt, dann drohen möglicherweise Sanktionen. Griechenland muss einsehen, dass die Steuerzahler in Deutschland, Belgien oder Luxemburg nicht bereit sind, die Fehler der griechischen Haushaltspolitik auszubaden.“

Der Druck aus Brüssel wächst also. Wird es am Ende reichen, um auf externe Hilfe von der EU oder dem IWF zu verzichten? Eher unwahrscheinlich.

Auch Barack Obama macht sich Sorgen:

Die Unentschlossenheit Europas in der Griechenland-Krise hatte Ende der Woche die USA auf den Plan gerufen. Präsident Barack Obama beriet am Freitagabend in einer Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premier Gordon Brown über das Schuldenproblem Athens. Spekulanten nutzten die Hängepartie zum Anlass für neue Rekordwetten gegen den Euro.
Der Sprecher des amerikanischen Präsidenten, Robert Gibbs, sagte nach der Videokonferenz, Obama sei überzeugt, dass die EU angemessen und effektiv auf die Krise reagieren werde. In der EU wird seit Wochen über das Ob und Wie finanzieller Hilfen für das Euro-Land diskutiert. Dahinter stehen Zweifel, dass Griechenland sein Schuldenproblem alleine in den Griff bekommt. Zurzeit versucht die Regierung in Athen, eine Rosskur aus Reformen durchzusetzen.
Quelle:

Diese Sendung könnte interessant werden:

Christoph Minhoff diskutiert u. a. mit Frank Lehmann (Börsenexperte) zum Thema:
„Krisenherd Eurozone – erst Griechenland, dann Spanien, bald Deutschland?“
Sendetermin: 01.03.2010, 22:15 – 23:00 Uhr
Sender: Phoenix
Webseite zur Sendung: hier

Zu Frank Lehmann:
http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Lehmann

Die meisten dürften Frank Lehmann schon in einer Talkrunde oder als Börsenexperte im TV gesehen haben.

Normalerweise wird in den Mainstream-Medien ja schnell über sogenannte „Verschwörungstheorien“ gelästert, deren Autoren als Spinner oder Fanatiker hingestellt.

Wenn der SPIEGEL aber etwas in der Art schreibt, ist das natürlich was ganz anderes:

Hedgefonds verschwören sich gegen den Euro

Wie man an der Headline schon sieht, liegt die zukünftige Euro-Schwäche wohl eher an der Verschwörung von irgendwelchen bösen Hedgefonds als an schlechten Kernzahlen in der Euro-Zone. Ob das wirklich so einfach ist? Oder will man hier von EU-internen Problemen ablenken?

Hedgefonds nutzen die Schwäche des Euros aus, ja, genauso wie jede andere Stärke oder Schwäche von Finanzmarkt-Produkten auf dem Markt ausgenutzt wird. Das ist ihr Geschäft. Ob das überhaupt irgend etwas produktives und positives hervorbringt, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Wer sich mal genauer mit den Hintergründen und Ursachen der Finanzkrise beschäftigen möchte, kann z.B. diese Vorträge anschauen:

Prof. Bernd Senf – Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise (Video):

http://dailymotion.virgilio.it/video/x75y6c_prof-bernd-senf-tiefere-ursachen-de_news (Teil 1)

http://dailymotion.virgilio.it/video/x7izu3_tiefere-ursachen-der-weltfinanzkris_news (Teil 2)

http://dailymotion.virgilio.it/video/x7ospj_profbernd-senf-weltfinanzkrise-3-no_news (Teil 3)

Homepage von Prof. Senf: http://www.berndsenf.de

In diesen Vorträgen von Ende 2008 erläutert Prof. Senf, dass die Ursachen für die Weltfinanzkrise viel tiefer liegen, als es bis dahin von der Politik und von den Medien öffentlich diskutiert wurde. Er stellt ausführlich dar, wo und warum die Probleme im Geldsystem, v.a. im Zinssystem, selbst liegen.

Auch interessant ist das Interview mit Prof. Senf auf Gulli.com vom 29.8.2009:
http://www.gulli.com/news/die-weltfinanzkrise-ein-blitz-2009-08-29

Mit diesen Hintergründen der Krise sollte man sich auseinandersetzen, will man irgendwann zu einer Lösung kommen, die nachhaltig ist und die uns nicht nur über die nächsten Jahre rettet.

Es ist immer wieder interessant, was für unterschiedliche Ansichten eines zentralen Problems veröffentlicht werden. Heute: die Massenarbeitslosigkeit.

Dank der offiziell verkündeten immer noch relativ gemäßigten Arbeitslosenzahlen beginnt nun das Manager Magazin zu jubeln:

Ein bisschen schlechter, aber alles andere als eine Katastrophe: Die Zahl der Arbeitslosen steigt in Deutschland. Aber nur leicht. Trotz frostiger Dauerwinterzeit, trotz kränkelnder Euro-Partnerstaaten. Jetzt haben Deutschlands Arbeiter und Angestellte Einmaliges unternommen, damit es so bleibt. (…)

Mehr unter:
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,680098,00.html

Natürlich ist es erfreulich, dass wir bisher nur einen moderaten Anstieg der Arbeitslosenzahlen haben. Aber deswegen gleich das Ende der Massenarbeitslosigkeit für Deutschland auszurufen, ist doch arg beschönigt.

Will da jemand gute Laune verbreiten? Oder die gemäßigten Lohnabschlüsse loben?

3,44 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben mit ihren Unternehmensvertretern in der vergangenen Woche einen einmaligen Pakt geschlossen: Sie verzichten für etwa zwölf Monate auf Lohnerhöhungen. Von kleineren Einmalzahlungen abgesehen sollen ihre Gehälter frühestens im April 2011 um maßvolle 2,7 Prozent steigen.

Und das alles schafft schon die Massenarbeitslosigkeit ab? Das ist ja toll…

Zugleich nehmen die Beschäftigten auch noch Abstriche beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld hin; sie werden es im Kurzarbeitsfall künftig nicht mehr in der bisherigen vollen Höhe erhalten. Das alles im Gegenzug für eine Jobgarantie ihrer Unternehmen.

Diese Garantie steigert die Chance, dass sich die bisher zurückgestaute, kalte Flut der Massenarbeitslosigkeit in diesem Jahr doch nicht über Deutschland ausbreiten wird. Schließlich haben gerade die Tausenden Industriebetriebe in der Bundesrepublik von den bestehenden Kurzarbeitregeln in den vergangenen Monaten mit Erfolg Gebrauch gemacht – und deren Nutzung wird jetzt attraktiver. Wenn auch zulasten der Steuerzahler, die für die neuerliche Kostenverbesserung der Unternehmen geradestehen müssen.

Kurzarbeit – das ist das entscheidende Stichwort. Nur darüber ließ sich bisher ein Ausufern der Arbeitslosenzahlen verhindern. Die Frage ist nur, wie lange funktioniert das noch? Wie oft wird man die Kurzarbeit noch verlängern? Was kommt danach?

Und was die Massenarbeitslosigkeit angeht: Hier sollte man auch berücksichtigen, dass bei den offiziell arbeitslos gemeldeten Personen eine Menge nicht mitgerechnet werden, die im Prinzip auch ohne Job, zumindest aber ohne reguläre Arbeitsstelle sind. Wer eine Fortbildungsmaßnahme laufen hat, wer in einem „1-Euro-Job“ arbeitet usw., der wird ja schon längst nicht mehr mitgezählt. Ein Teil, der inzwischen aus der Arbeitslosenstatistik rausgefallen ist, arbeitet auch nur Teilzeit und muss aufgrund zu geringen Einkommens seinen Lebensunterhalt teilweise über Hartz4-Geld bestreiten.

So oder so, ohne einen massiven Wirtschaftsaufschwung, der die aktuellen konjunkturellen Verluste die nächsten Jahre wieder aufholt, wird es für alle – Arbeitslosenquote, öffentliche Haushalte, Unternehmen, … – extrem schwer werden. Da hilft positives Denken allein auch nicht mehr.

NACHTRAG:
Hier kann man direkt die veröffentlichten aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ansehen:

http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000100/html/monat/201002.pdf

Im Jahr 2009 brach der Welthandel nach Angaben der WTO um ganze 12 % ein, so stark wie seit 1945 nicht mehr.

Anfang Dezember war von der WTO noch ein Einbruch von 10 % erwartet worden.

Nach dieser Nachricht rutschte der DAX erstmal weiter ab, erholte sich danach aber wieder.

„Zum Jahreswechsel wurde groß gefeiert, dass die Rezession überwunden ist, jetzt stellen wir fest, dass die Erholung tatsächlich holprig ist“, sagte Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg.

„Der schwache Ifo-Index und das US-Verbrauchervertrauen gestern haben durchaus einen Schock ausgelöst“, sagte ein Händler. „Es ist unglaublich schwer, Anleger zum Einstieg zu motivieren, wenn der Markt derart schnell einknickt.“ Dazu kämen laut Aktienanalyst Köhler die Sorgen um die wirtschaftliche Lage in Griechenland.

In Folge der Krise ist auch Deutschlands Defizit wieder über die Maastricht-Grenze von 3% gestiegen. Genau betrug das Defizit im vergangenen Jahr 79,3 Mrd. Euro bzw. 3,3 % vom BIP.

Quellen:
SPIEGEL Online: Welthandel erleidet Rekordeinbruch
SPIEGEL Online: Deutsches Defizit steigt auf 3,3 Prozent

Ein hochrangiger Manager von Goldman Sachs hat nach einem Bericht des SPIEGEL [1] die Vorwürfe wegen des umstrittenen Währungsgeschäfts mit Griechenland zurückgewiesen.

Der Goldman-Banker Gerald Corrigan, der früher Präsident der New Yorker Federal Reserve Bank war, sagte, er habe sich einige Tage mit dem Fall beschäftigt und sei nun davon überzeugt, dass das Geschäft nicht unangemessen und mit den damaligen geltenden Regeln konform gewesen sei. Corrigan ist der erste Goldman-Sachs-Mitarbeiter, der öffentlich über den Swap spricht.

Na das ist ja schön, das ganze war also legal, da man hier ein juristisches Schlupfloch ausgenutzt hatte. Das macht die Sache natürlich gleich viel „besser“.

Aber es wirft natürlich auch ein schlechtes Licht auf die fehlende Finanzmarkt-Regulierung, die sowas überhaupt möglich machte.

Er sagte vor dem britischen Finanzausschuss, er sei nicht „allergisch“ gegenüber einer strukturellen Reform des Finanzsystems. Man müsse jedoch vorsichtig sein, wenn man diesen Kurs einschlage, weil man dann kein echtes Maß mehr für Erfolg hätte.

In einem 16-seitigen Statement schlug Corrigan Änderungen vor, etwa einen systemischen Regulator, höhere Kapital- und Liquiditätsquoten für Banken und eine bessere internationale Zusammenarbeit.

Das ist ja nett, aber die Reformen sollten schon mindestens so lasch sein, dass Goldman Sachs seinen „seriösen“ Geschäften weiter nachgehen kann, oder wie?

Quellen:
[1]: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,679736,00.html#ref=rss

Der Deal sei „nicht unangemessen und mit den damaligen Regeln konform“ gewesen, sagte ein hochrangiger Manager der ehemaligen Investmentbank vor dem britischen Finanzausschuss.

Das US-Verbrauchervertrauen fiel von 55,9 auf 46 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit April 2009. Gerechnet hatte man mit 55 Punkten.

Die Börsen gaben daraufhin teilweise deutlich nach.

Ursache für die überraschende Eintrübung der Zahlen soll die nach wie vor angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt sein. Die offizielle(!) Arbeitslosenquote lag im Januar bei 9,7%, erwartet wird eine durchschnittliche Quote von 10% für den Rest des Jahres.

Veröffentlicht wurden die Zahlen vom privaten Forschungsinstitut „Conference Board“.

Mehr dazu unter:

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:konjunktursignal-us-verbraucher-blasen-truebsal/50079116.html

Wie die Financal Times Deutschland berichtet [1], hat Harvard-Professor Kenneth Rogoff vor Staatspleiten gewarnt.

Nach Bankenkrisen „sehen wir normalerweise einen Packen Zahlungsausfälle, sagen wir, nach ein paar Jahren. Dieses Mal wieder, prognostiziere ich“, sagte der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag in Tokio. Rogoff hatte 2008 den Kollaps großer US-Banken vorhergesagt. Er hat zudem die Geschichte von Finanzkrisen untersucht.

Rogoff meint, die Finanzkrise würde die Zinsen für die Staatsschulden in die Höhe treiben, was z.B. EU-Länder wie Griechenland und Portugal in große Schwierigkeiten bringen dürfte.

Reiche Länder wie Deutschland und die USA würden angesichts langsamen Wachstums gezwungen sein, ihre Ausgaben drastisch zurückzufahren.

Ein Teufelskreis. Wenn jetzt die Ausgaben als Folge davon massiv runtergefahren werden, kann das die Konjunktur zusätzlich in den Abgrund reissen, weitere Steuerausfälle produzieren etc. Unser ganzes System ist auf Wachstum aufgebaut. Verlässt man diesen Pfad, kann es schnell zu einer schwer aufhaltbaren Abwärtsspirale führen. Im Grunde sind wir wohl schon mitten drin.

Was wird dann am Ende kommen? Eine Währungsreform? Ein weg-inflationieren der Schulden? Ein Krieg? Wir werden es sehen…

Quellen:

[1]: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:schuldenprobleme-rogoff-sagt-staatspleiten-voraus/50078978.html

Wie das Handelsblatt berichtet, befürchten Experten, dass die Finanzkrise Griechenlands auch andere unsichere Staaten in der EU in Zahlungsprobleme bringen könnte. Dadurch wird die europäische Währungsunion weiter gefährdet. Aber auch deutsche Banken wie die Hypo Real Estate oder die Commerzbank sind stark betroffen.

„Das Hauptrisiko für den deutschen Finanzsektor besteht in kollektiven Schwierigkeiten der PIIGS-Staaten“, (…).
Unter den PIIGS-Staaten versteht man an den Finanzmärkten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Griechenland könne für solche Schwierigkeiten „möglicherweise der Auslöser sein“, schreibt das Blatt unter Berufung auf den Vermerk weiter. Deutsche Banken sollen demnach Papiere dieser Staaten im Wert von 522,4 Mrd. Euro halten, was rund 20 Prozent der gesamten Auslandsforderungen deutscher Banken entspreche. Sie seien „Hauptgläubiger in Spanien und Irland und zweitwichtigster Gläubiger in Italien“.

Die Bankenrettung war ja vom Volumen her schon grenzwertig und würde uns über Jahrzehnte allein viele Milliarden Euro Zinsen kosten. Irgendwann ist aber die Finanzkraft der öffentlichen Haushalte auch erschöpft. Und dann? Wer rettet dann die heutigen Retter?

Das mit Abstand höchste Griechenland-Portfolio habe nach Erkenntnissen der BaFin mit 9,1 Mrd. Euro ausgerechnet die Hypo Real Estate (HRE) in den Büchern. Das mittlerweile zwangsverstaatlichte Institut habe sein Engagement in diesem Land vom März bis September vergangenen Jahres um fast 50 Prozent aufgestockt – genau zu jener Zeit, als es mit erheblichen staatlichen Mitteln gestützt wurde. Die Commerzbank, an der der Bund ebenfalls beteiligt ist, soll Griechenland-Papiere im Volumen von 4,6 Mrd. Euro halten. Auch angeschlagene Landesbanken haben demnach im großen Stil griechische Anlagepapiere gekauft, die LBBW für 2,7 Mrd. Euro, die BayernLB für 1,5 Mrd. Euro.

Warum wurde so massiv dort investiert, während man schon auf staatlicher Unterstützung angewiesen war? Dachte man, Griechenland ist bestimmt besser als „Lehman Brothers“ oder wurde hier hinter den Kulissen schon ein Hilfspaket für die Griechen geschnürt?

Und am Ende müssen wir die Griechen allein deswegen retten, damit unsere Banken daran nicht pleite gehen?

Hilfen der Euro-Länder für Griechenland könnten sich nach einem unbestätigten Bericht des Magazins „Der Spiegel“ auf 20 bis 25 Mrd. Euro belaufen.

Immerhin müsste Deutschland davon „nur“ 1/5 zahlen, lt. Spiegel-Artikel. Na das zahlen wir ja mittlerweile aus der „Portokasse“. Aber das dürfte dann auch nur die erste von vielen Raten sein, siehe das schwarze Finanzloch namens Hypo Real Estate.

Quellen:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-krise-experten-fuerchten-domino-effekt;2533265

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,679222,00.html

Eine sehr aufschlussreiche Dokumentation über die Arbeit von PR-Beratern und das Verhältnis zum Journalismus hat jetzt das TV-Medienmagazin ZAPP gezeigt:

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/prberater102.html

Kleine und mittlere Redaktionen bauen immer mehr Personal ab und werden dadurch empfänglich für den Einfluss von professionellen PR-Agenturen.

In dem Beitrag kommen sowohl Journalisten als auch bekannte Größen der PR-Branche zu Wort. Das ganze gibt einen sehr guten Einblick in die aktuelle Situation der Medienlandschaft. Wo Redaktionen kaputt gespart werden, ist guter investigativer Journalismus immer schwieriger. Ersetzt wird dieser dann durch die „Informationen“ der PR-Agenturen, die damit großen Einfluss auf die veröffentlichen Artikel, Meldungen und Sendungen ausüben können.

Und über diesen Einfluss ist vieles möglich, von bewusster Meinungsmanipulation der Öffentlichkeit bis zu Rufmordkampagnen gegen Einzelpersonen oder ganze Unternehmen.

In der Sendung kam unter anderem das Beispiel von Warsteiner, denen (lt. eigener Aussage zu unrecht) in der Vergangenheit mal eine Verbindung zu Scientology angedichtet wurde. Daraufhin verlor man seine Spitzenposition am Markt nachhaltig, die Konkurrenz freute sich natürlich.
Ein anderer Fall war ein Unternehmer, der seinem PR-Berater (oder dessen Agentur) gekündigt hatte und anschließend selbst von diesem verleumdet wurde.

Im ZDF lief die Tage die TV-Dokumentation „Ich, der Euro – Eine Währung auf Bewährung“:

http://dokumentation.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,8036707,00.html

Der Beitrag enthält ein paar interessante Interviews, auch von bekannten Euro-Gegnern. Während Euro-Befürworter die europäische Gemeinschaftswährung verteidigen, spekulieren die Gegner auf ein Ende des Euro.

Der Euro ist sowieso eher ein T-Euro, sagen interviewte Leute auf der Straße. Peer Steinbrück hält das natürlich für eine subjektive Fehleinschätzung.

Wilhelm Hankel (Wirschaftswissenschaftler und Euro-Gegner) überlegt dagegen, ob er seine Verfassungsklage gegen den Euro von der Zeit seiner Einführung nochmal einbringen soll, schließlich wären seine Argumente von der Realität inzwischen bestätigt worden.

Heute bin ich über folgenden Artikel gestolpert:

Berliner-Journalisten.com: „Geheimtreffen im Kanzleramt: Die Presse schwieg“

Gerade Journalisten betonen ja immer, wie unabhängig, objektiv und kritisch sie sind. Und daher sollte man ja eigentlich keine bewusst beschönigte Darstellung der aktuellen Themen wie eben z.B. die Finanzkrise erwarten können, oder?

Der ursprüngliche Artikel, auf den dieser Bezug nimmt, ist dieser hier:

Sueddeutsche.de: „Serie: Wozu noch Journalismus? (4) – Das ist nicht Ihr Kanzleramt! „

Außerdem wird auf diesen gelungenen Beitrag von ZAPP verwiesen:

http://www.youtube.com/watch?v=0QO4DZu9mxA&feature=player_embedded

Besonders bezeichnend waren die dort gezeigten Begründungen von Journalisten, warum das Kamerateam vom kritischen TV-Magazin dort unerwünscht war:

Frau 1: „Wir handeln .. ähm .. geheime Dinge ab… Und zwar, wir wollen Politik verstehen. Und das muss ein Zuschauer oder Zuhörer oder Leser nicht erfahren. Sondern er muss dann nur verstehen, was wir sagen.“

Frau 2:“Der Mehrwert besteht darin, dass wir die Wahrheit erfahren und die dann – so bitter es für manche auch ist dann – nicht schreiben oder senden dürfen dann.“

Mehrwert? Für wen? Für die Journalisten? Damit sie nicht mehr Gefahr laufen, „aus Versehen“ die Wahrheit zu schreiben? Kann man den Medien überhaupt noch 100%ig trauen, wenn die bei gewissen „heissen Eisen“ im Zweifel eh nicht mehr schreiben dürfen, was sie wissen?

Was uns da nur noch bleibt: eine möglichst gute Medienkompetenz erlangen und immer ALLES hinterfragen, egal aus welcher noch so seriösen Quelle es stammt.

Im übrigen finde ich persönlich gerade Treffen, über die öffentlich NICHT berichtet wird, am interessantesten. Jeder noch so kleine „Gipfel“ wird im TV, Zeitungen und Radio bis ins kleinste Detail präsentiert und diskutiert. Und sowas hier wird – wenn überhaupt – nur mal am Rande erwähnt. Wem in dem Zusammenhang z.B. die „Bilderberger“ kein Begriff sind, sollte dieses Wort einfach mal in eine bekannte Suchmaschine eingeben…

Serie: Wozu noch Journalismus? (4)

Gerade noch wurde vermeldet, die Abstiegssorgen der Mittelschicht seien ja statistisch unbegrendet. Und heute schon gibt es wieder Horrormeldungen zum Thema Armut. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seinem Wochenbericht [1] verkündet, leben bereits über 11 Millionen Menschen bei uns unter der Armutsgrenze.

Weiterhin hohes Armutsrisiko in Deutschland:
Kinder und junge Erwachsene sind besonders betroffen
In Deutschland sind 14 Prozent der Bevölkerung oder 11,5 Millionen Menschen von relativer
Einkommensarmut bedroht. Dies betrifft vor allem Haushalte mit Kindern und
jungen Erwachsenen. Auch Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern weisen mit
über 40 Prozent weit überdurchschnittliche Armutsrisiken auf. Zielgruppenspezifische
Programme wie der Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur, die Einführung
des Elterngeldes oder der Pflegeversicherung können das Armutsrisiko senken.

Dabei hat die Zahl der in Armut lebenden Personen um rund ein Drittel zugenommen. Allerdings je nach Alter unterschiedlich stark.

Das geringste Risiko der Einkommensarmut zeigt sich bei Erwachsenen im Alter von 46 bis 55 Jahren. (…)
In den ersten Jahren nach einer Verrentung (Altersgruppe der 66- bis 75-Jährigen) fällt das Armutsrisiko
ebenfalls unterdurchschnittlich aus. Im höheren Lebensalter ab 76 Jahren erreicht es wieder den Wert für die Bevölkerung insgesamt, unter anderem bedingt durch die kürzere  Lebensdauer von Männern und den damit verbundenen höheren Anteil von Witwen mit häufig etwas geringeren Alterseinkünften.
Zum Teil weit überdurchschnittliche Armutsrisiken
sind hingegen bei Kindern und insbesondere bei jungen Erwachsenen zu beobachten. Im Jahr 2008 lebten knapp ein Viertel der Erwachsenen im Alter von 19 bis 25 Jahren in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. (…)

Wenn man bedenkt, dass Kinder und Jugendliche unsere Zukunft sind, rollt da noch einiges auf uns zu.

Quelle:
[1]: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.347305.de/10-7.pdf

Wie die Financal Times Deutschland [1] heute vorrechnet, ist die Mittelschicht weit weniger vom Absturz ins Arbeitslosengeld II betroffen, als dort befürchtet wird.

Hartz IV betrifft die Mittelschicht fast überhaupt nicht: Gerade einmal 0,3 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II verdienten bei ihrem letzten Arbeitgeber mehr als 3000 Euro brutto im Monat. Und gar nur jeder 1000. kam auf wenigstens 3500 Euro, wie eine noch unveröffentlichte Berechnung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt. Der Durchschnittslohn von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei 3100 Euro.

Na dann ist ja alles gut, da werden ja z.B. die ganzen „Mittelschichtler“ jenseits der 45-Jahresgrenze nun aufatmen können. Genauso wie die „gefühlte“ Inflation scheint auch der Eindruck, dass die Mittelschicht vom sozialen Abstieg bedroht ist, völlig „falsch“ zu sein, jedenfalls wenn man nach diesem Artikel geht.

Zwar stammt die Stichprobe der IZA-Berechnung aus dem Jahr 2007, weil jüngere Daten noch nicht vorliegen. Trotz der Zeitverzögerung seien die Zahlen aber ein verlässlicher Indikator, urteilt das Institut: „Ehemalige Mittel- und Gutverdiener sind bei Hartz IV ein absolutes Randphänomen“, sagte IZA-Arbeitsmarktdirektor Hilmar Schneider dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Naja, 2007 oder 2008 oder 2009… Sowas wäre ja nur von Belang, wenn wir gerade in einer schweren Wirtschaftskrise wären…

Bereits unter den Beziehern von Arbeitslosengeld I sind Besserverdiener eine kleine Minderheit. Eine interne Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Weniger als acht Prozent der Menschen, die Ende des abgelaufenen Jahres die Leistung bezogen, erzielten in ihrem letzten Job ein monatliches Salär zwischen 3000 Euro und 4000 Euro brutto. Nur jeder 20. lag darüber.

Schön, dass die Besserverdienenden, die für Notfälle oft auch was auf der „hohen Kante“ haben, aus ihrer hohen Höhe keinen Absturz durch Hartz4 zu befürchten haben.

Dennoch ist die Furcht der Mittelschicht durchaus berechtigt, wenn man die Prognosen für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung mit einbezieht. V.a. für ältere Arbeitnehmer erhöht sich hier der Druck, unbedingt eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden, um nicht nach 12 Monaten in Hartz4 zu rutschen. Dass dies bis 2007 für gut ausgebildete Fachkräfte, besonders in jüngeren Jahrgängen, überhaupt keine Rolle spielte, hilft den heute von Hartz4 bedrohten kein Stück weiter.

Quelle:
[1]: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:neue-berechnung-mittelschicht-von-hartz-iv-kaum-betroffen/50075322.html

Passend zum Karneval wohl erschien heute auf WELT Online folgender Artikel:

http://www.welt.de/finanzen/article6389413/Bank-Experte-warnt-vor-Goldrausch-der-Anleger.html?page=1#article_readcomments

Anleger flüchten aus Angst vor Inflation und Staatsbankrotten in das Edelmetall. Doch das ist für Klaus Holschuh, Chefvolkswirt der DZ-Bank, Unsinn. Er sieht eine Blase beim Preis für die Feinunze. Am meisten ärgert er sich aber über diejenigen, die den Goldstandard wieder einführen wollen.

Ja klar, der Goldpreis ist die letzten Jahre insgesamt stark gestiegen, was man von den lieben Aktien ja nicht gerade behaupten kann. Doch ist nicht alles, was nach oben schießt, gleiche eine Spekulationsblase, die kurz vor dem Platzen steht. Es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass das „Krisenbarometer“ immer weiter nach oben steigt und immer mehr „Ratten“ das „sinkende Schiff“ verlassen wollen.

Wenn ein Bank-„Experte“ vor einer Blase warnt, ist das doch eigentlich ein guter Kontraindikator, wenn man die Trefferquote der letzten Jahre bei denen ansieht.

Wie so oft bei Artikeln auf WELT Online sind hier die Kommentare der Leser darunter interessanter als das eigentliche Interview. Hier sieht man schön, dass es schon einige gibt, die sich inzwischen über unser Geldsystem informiert haben.

Wie in diesem Artikel berichtet wird, gingen allein 14 von 20 Millionen Euro Parteispenden an die CDU/CSU:

http://www.n-tv.de/politik/Wirtschaft-bevorzugt-die-Union-article729613.html

Dabei soll die CDU rund 7,5 Millionen und die CSU allein schon 6,4 Millionen Euro an Spenden bekommen haben. Na, die Spender werden wissen, warum…

Allerdings machte dies bei der gesamten Parteienfinanzierung bei der CDU nur 5,1 %, bei der CSU immerhin 12,6 % aus. Man kann also nicht behaupten, die Parteien sind zu 100 % von Banken, Konzernen und Betrieben gekauft. Aber die Aufsichtsrat-Posten und „interessante Aufgaben“ während und nach ihrer politischen Laufbahn machen vielleicht auch den ein oder anderen Parlamentarier gefügig. Und den Rest kann man ja immer noch versuchen, mit seinen Lobbyisten vor Ort direkt bei den Gesetzen zu beeinflussen.

Wer mal in Ruhe untersuchen will, welche Partei von wem (und warum?) wieviel an Spenden bekommen hat, der kann sich auf folgender Seite umsehen:

http://www.bundestag.de/bundestag/parteienfinanzierung/fundstellen50000/2010/index.html

Dort findet man die „Veröffentlichung von Spenden, die im Einzelfall die Höhe von 50.000 Euro übersteigen (§ 25 Abs. 3 Satz 3 Parteiengesetz)“. Kann evtl. schon sehr aufschlussreich sein.

Wie das Handelsblatt und die Financal Times Deutschland berichten, half Goldman Sachs den Griechen bei ihren Tricksereien und Schönrechnen ihrer Defizite. Mit ihrer Hilfe soll Griechenland ein Jahrzehnt lang die europäischen Stabilitätskriterien unterlaufen haben.

Der Lohn für Goldman Sachs: immerhin 300 Millionen Euro. Da macht uns jede finanzielle Hilfe für GR doch gleich viel mehr Spaß.

Mehr dazu unter:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/defizitkosmetik-goldman-sachs-half-bei-griechen-bei-tricksereien;2529582
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:krise-in-griechenland-wall-street-half-athen-beim-schummeln/50074205.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,677750,00.html
http://www.mmnews.de/index.php/201002144940/MM-News/Griechenland-Betrug-Goldman-kassierte-300-Millionen.html

Wie u.a. die Financal Times Deutschland heute berichtet, ist der Aufwärtstrend in der deutschen Wirtschaft erstmal zu Ende:

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:doch-kein-aufschwung-deutsche-wirtschaft-stagniert-euro-zone-auch/50073237.html

Auch in der gesamten Euro-Zone stagniert das Wachstum, nur um 0,1% soll das BIP angestiegen sein.

Dabei liegt man immer noch 2,1 % unter der Wirtschaftsleistung des Vorjahres.

Die Frage ist jetzt natürlich, was das für den Arbeitsmarkt bedeutet. Hat man sich hier noch mit der Kurzarbeit ziemlich lange bis jetzt über Wasser gehalten, braucht es auf Dauer wieder einen nachhaltigen und deutlichen Wirtschaftsaufschwung, sonst dürften viele Stellen nicht zu halten sein.

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