Archiv für Februar 2010

Eine sehr aufschlussreiche Dokumentation über die Arbeit von PR-Beratern und das Verhältnis zum Journalismus hat jetzt das TV-Medienmagazin ZAPP gezeigt:

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/prberater102.html

Kleine und mittlere Redaktionen bauen immer mehr Personal ab und werden dadurch empfänglich für den Einfluss von professionellen PR-Agenturen.

In dem Beitrag kommen sowohl Journalisten als auch bekannte Größen der PR-Branche zu Wort. Das ganze gibt einen sehr guten Einblick in die aktuelle Situation der Medienlandschaft. Wo Redaktionen kaputt gespart werden, ist guter investigativer Journalismus immer schwieriger. Ersetzt wird dieser dann durch die “Informationen” der PR-Agenturen, die damit großen Einfluss auf die veröffentlichen Artikel, Meldungen und Sendungen ausüben können.

Und über diesen Einfluss ist vieles möglich, von bewusster Meinungsmanipulation der Öffentlichkeit bis zu Rufmordkampagnen gegen Einzelpersonen oder ganze Unternehmen.

In der Sendung kam unter anderem das Beispiel von Warsteiner, denen (lt. eigener Aussage zu unrecht) in der Vergangenheit mal eine Verbindung zu Scientology angedichtet wurde. Daraufhin verlor man seine Spitzenposition am Markt nachhaltig, die Konkurrenz freute sich natürlich.
Ein anderer Fall war ein Unternehmer, der seinem PR-Berater (oder dessen Agentur) gekündigt hatte und anschließend selbst von diesem verleumdet wurde.

Im ZDF lief die Tage die TV-Dokumentation “Ich, der Euro – Eine Währung auf Bewährung”:

http://dokumentation.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,8036707,00.html

Der Beitrag enthält ein paar interessante Interviews, auch von bekannten Euro-Gegnern. Während Euro-Befürworter die europäische Gemeinschaftswährung verteidigen, spekulieren die Gegner auf ein Ende des Euro.

Der Euro ist sowieso eher ein T-Euro, sagen interviewte Leute auf der Straße. Peer Steinbrück hält das natürlich für eine subjektive Fehleinschätzung.

Wilhelm Hankel (Wirschaftswissenschaftler und Euro-Gegner) überlegt dagegen, ob er seine Verfassungsklage gegen den Euro von der Zeit seiner Einführung nochmal einbringen soll, schließlich wären seine Argumente von der Realität inzwischen bestätigt worden.

Heute bin ich über folgenden Artikel gestolpert:

Berliner-Journalisten.com: “Geheimtreffen im Kanzleramt: Die Presse schwieg”

Gerade Journalisten betonen ja immer, wie unabhängig, objektiv und kritisch sie sind. Und daher sollte man ja eigentlich keine bewusst beschönigte Darstellung der aktuellen Themen wie eben z.B. die Finanzkrise erwarten können, oder?

Der ursprüngliche Artikel, auf den dieser Bezug nimmt, ist dieser hier:

Sueddeutsche.de: “Serie: Wozu noch Journalismus? (4) – Das ist nicht Ihr Kanzleramt! “

Außerdem wird auf diesen gelungenen Beitrag von ZAPP verwiesen:

http://www.youtube.com/watch?v=0QO4DZu9mxA&feature=player_embedded

Besonders bezeichnend waren die dort gezeigten Begründungen von Journalisten, warum das Kamerateam vom kritischen TV-Magazin dort unerwünscht war:

Frau 1: “Wir handeln .. ähm .. geheime Dinge ab… Und zwar, wir wollen Politik verstehen. Und das muss ein Zuschauer oder Zuhörer oder Leser nicht erfahren. Sondern er muss dann nur verstehen, was wir sagen.”

Frau 2:”Der Mehrwert besteht darin, dass wir die Wahrheit erfahren und die dann – so bitter es für manche auch ist dann – nicht schreiben oder senden dürfen dann.”

Mehrwert? Für wen? Für die Journalisten? Damit sie nicht mehr Gefahr laufen, “aus Versehen” die Wahrheit zu schreiben? Kann man den Medien überhaupt noch 100%ig trauen, wenn die bei gewissen “heissen Eisen” im Zweifel eh nicht mehr schreiben dürfen, was sie wissen?

Was uns da nur noch bleibt: eine möglichst gute Medienkompetenz erlangen und immer ALLES hinterfragen, egal aus welcher noch so seriösen Quelle es stammt.

Im übrigen finde ich persönlich gerade Treffen, über die öffentlich NICHT berichtet wird, am interessantesten. Jeder noch so kleine “Gipfel” wird im TV, Zeitungen und Radio bis ins kleinste Detail präsentiert und diskutiert. Und sowas hier wird – wenn überhaupt – nur mal am Rande erwähnt. Wem in dem Zusammenhang z.B. die “Bilderberger” kein Begriff sind, sollte dieses Wort einfach mal in eine bekannte Suchmaschine eingeben…

Serie: Wozu noch Journalismus? (4)

Gerade noch wurde vermeldet, die Abstiegssorgen der Mittelschicht seien ja statistisch unbegrendet. Und heute schon gibt es wieder Horrormeldungen zum Thema Armut. Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seinem Wochenbericht [1] verkündet, leben bereits über 11 Millionen Menschen bei uns unter der Armutsgrenze.

Weiterhin hohes Armutsrisiko in Deutschland:
Kinder und junge Erwachsene sind besonders betroffen
In Deutschland sind 14 Prozent der Bevölkerung oder 11,5 Millionen Menschen von relativer
Einkommensarmut bedroht. Dies betrifft vor allem Haushalte mit Kindern und
jungen Erwachsenen. Auch Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern weisen mit
über 40 Prozent weit überdurchschnittliche Armutsrisiken auf. Zielgruppenspezifische
Programme wie der Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur, die Einführung
des Elterngeldes oder der Pflegeversicherung können das Armutsrisiko senken.

Dabei hat die Zahl der in Armut lebenden Personen um rund ein Drittel zugenommen. Allerdings je nach Alter unterschiedlich stark.

Das geringste Risiko der Einkommensarmut zeigt sich bei Erwachsenen im Alter von 46 bis 55 Jahren. (…)
In den ersten Jahren nach einer Verrentung (Altersgruppe der 66- bis 75-Jährigen) fällt das Armutsrisiko
ebenfalls unterdurchschnittlich aus. Im höheren Lebensalter ab 76 Jahren erreicht es wieder den Wert für die Bevölkerung insgesamt, unter anderem bedingt durch die kürzere  Lebensdauer von Männern und den damit verbundenen höheren Anteil von Witwen mit häufig etwas geringeren Alterseinkünften.
Zum Teil weit überdurchschnittliche Armutsrisiken
sind hingegen bei Kindern und insbesondere bei jungen Erwachsenen zu beobachten. Im Jahr 2008 lebten knapp ein Viertel der Erwachsenen im Alter von 19 bis 25 Jahren in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. (…)

Wenn man bedenkt, dass Kinder und Jugendliche unsere Zukunft sind, rollt da noch einiges auf uns zu.

Quelle:
[1]: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.347305.de/10-7.pdf

Wie die Financal Times Deutschland [1] heute vorrechnet, ist die Mittelschicht weit weniger vom Absturz ins Arbeitslosengeld II betroffen, als dort befürchtet wird.

Hartz IV betrifft die Mittelschicht fast überhaupt nicht: Gerade einmal 0,3 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II verdienten bei ihrem letzten Arbeitgeber mehr als 3000 Euro brutto im Monat. Und gar nur jeder 1000. kam auf wenigstens 3500 Euro, wie eine noch unveröffentlichte Berechnung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt. Der Durchschnittslohn von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei 3100 Euro.

Na dann ist ja alles gut, da werden ja z.B. die ganzen “Mittelschichtler” jenseits der 45-Jahresgrenze nun aufatmen können. Genauso wie die “gefühlte” Inflation scheint auch der Eindruck, dass die Mittelschicht vom sozialen Abstieg bedroht ist, völlig “falsch” zu sein, jedenfalls wenn man nach diesem Artikel geht.

Zwar stammt die Stichprobe der IZA-Berechnung aus dem Jahr 2007, weil jüngere Daten noch nicht vorliegen. Trotz der Zeitverzögerung seien die Zahlen aber ein verlässlicher Indikator, urteilt das Institut: “Ehemalige Mittel- und Gutverdiener sind bei Hartz IV ein absolutes Randphänomen”, sagte IZA-Arbeitsmarktdirektor Hilmar Schneider dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Naja, 2007 oder 2008 oder 2009… Sowas wäre ja nur von Belang, wenn wir gerade in einer schweren Wirtschaftskrise wären…

Bereits unter den Beziehern von Arbeitslosengeld I sind Besserverdiener eine kleine Minderheit. Eine interne Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Weniger als acht Prozent der Menschen, die Ende des abgelaufenen Jahres die Leistung bezogen, erzielten in ihrem letzten Job ein monatliches Salär zwischen 3000 Euro und 4000 Euro brutto. Nur jeder 20. lag darüber.

Schön, dass die Besserverdienenden, die für Notfälle oft auch was auf der “hohen Kante” haben, aus ihrer hohen Höhe keinen Absturz durch Hartz4 zu befürchten haben.

Dennoch ist die Furcht der Mittelschicht durchaus berechtigt, wenn man die Prognosen für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung mit einbezieht. V.a. für ältere Arbeitnehmer erhöht sich hier der Druck, unbedingt eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden, um nicht nach 12 Monaten in Hartz4 zu rutschen. Dass dies bis 2007 für gut ausgebildete Fachkräfte, besonders in jüngeren Jahrgängen, überhaupt keine Rolle spielte, hilft den heute von Hartz4 bedrohten kein Stück weiter.

Quelle:
[1]: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:neue-berechnung-mittelschicht-von-hartz-iv-kaum-betroffen/50075322.html

Passend zum Karneval wohl erschien heute auf WELT Online folgender Artikel:

http://www.welt.de/finanzen/article6389413/Bank-Experte-warnt-vor-Goldrausch-der-Anleger.html?page=1#article_readcomments

Anleger flüchten aus Angst vor Inflation und Staatsbankrotten in das Edelmetall. Doch das ist für Klaus Holschuh, Chefvolkswirt der DZ-Bank, Unsinn. Er sieht eine Blase beim Preis für die Feinunze. Am meisten ärgert er sich aber über diejenigen, die den Goldstandard wieder einführen wollen.

Ja klar, der Goldpreis ist die letzten Jahre insgesamt stark gestiegen, was man von den lieben Aktien ja nicht gerade behaupten kann. Doch ist nicht alles, was nach oben schießt, gleiche eine Spekulationsblase, die kurz vor dem Platzen steht. Es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass das “Krisenbarometer” immer weiter nach oben steigt und immer mehr “Ratten” das “sinkende Schiff” verlassen wollen.

Wenn ein Bank-”Experte” vor einer Blase warnt, ist das doch eigentlich ein guter Kontraindikator, wenn man die Trefferquote der letzten Jahre bei denen ansieht.

Wie so oft bei Artikeln auf WELT Online sind hier die Kommentare der Leser darunter interessanter als das eigentliche Interview. Hier sieht man schön, dass es schon einige gibt, die sich inzwischen über unser Geldsystem informiert haben.

Wie in diesem Artikel berichtet wird, gingen allein 14 von 20 Millionen Euro Parteispenden an die CDU/CSU:

http://www.n-tv.de/politik/Wirtschaft-bevorzugt-die-Union-article729613.html

Dabei soll die CDU rund 7,5 Millionen und die CSU allein schon 6,4 Millionen Euro an Spenden bekommen haben. Na, die Spender werden wissen, warum…

Allerdings machte dies bei der gesamten Parteienfinanzierung bei der CDU nur 5,1 %, bei der CSU immerhin 12,6 % aus. Man kann also nicht behaupten, die Parteien sind zu 100 % von Banken, Konzernen und Betrieben gekauft. Aber die Aufsichtsrat-Posten und “interessante Aufgaben” während und nach ihrer politischen Laufbahn machen vielleicht auch den ein oder anderen Parlamentarier gefügig. Und den Rest kann man ja immer noch versuchen, mit seinen Lobbyisten vor Ort direkt bei den Gesetzen zu beeinflussen.

Wer mal in Ruhe untersuchen will, welche Partei von wem (und warum?) wieviel an Spenden bekommen hat, der kann sich auf folgender Seite umsehen:

http://www.bundestag.de/bundestag/parteienfinanzierung/fundstellen50000/2010/index.html

Dort findet man die “Veröffentlichung von Spenden, die im Einzelfall die Höhe von 50.000 Euro übersteigen (§ 25 Abs. 3 Satz 3 Parteiengesetz)”. Kann evtl. schon sehr aufschlussreich sein.

Wie das Handelsblatt und die Financal Times Deutschland berichten, half Goldman Sachs den Griechen bei ihren Tricksereien und Schönrechnen ihrer Defizite. Mit ihrer Hilfe soll Griechenland ein Jahrzehnt lang die europäischen Stabilitätskriterien unterlaufen haben.

Der Lohn für Goldman Sachs: immerhin 300 Millionen Euro. Da macht uns jede finanzielle Hilfe für GR doch gleich viel mehr Spaß.

Mehr dazu unter:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/defizitkosmetik-goldman-sachs-half-bei-griechen-bei-tricksereien;2529582
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:krise-in-griechenland-wall-street-half-athen-beim-schummeln/50074205.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,677750,00.html
http://www.mmnews.de/index.php/201002144940/MM-News/Griechenland-Betrug-Goldman-kassierte-300-Millionen.html

Wie u.a. die Financal Times Deutschland heute berichtet, ist der Aufwärtstrend in der deutschen Wirtschaft erstmal zu Ende:

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:doch-kein-aufschwung-deutsche-wirtschaft-stagniert-euro-zone-auch/50073237.html

Auch in der gesamten Euro-Zone stagniert das Wachstum, nur um 0,1% soll das BIP angestiegen sein.

Dabei liegt man immer noch 2,1 % unter der Wirtschaftsleistung des Vorjahres.

Die Frage ist jetzt natürlich, was das für den Arbeitsmarkt bedeutet. Hat man sich hier noch mit der Kurzarbeit ziemlich lange bis jetzt über Wasser gehalten, braucht es auf Dauer wieder einen nachhaltigen und deutlichen Wirtschaftsaufschwung, sonst dürften viele Stellen nicht zu halten sein.

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