Archiv für März 2010

Im aktuellen Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit werden leicht sinkende Arbeitslosenzahlen gemeldet:
Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland 03/2010

Wie das Manager Magazin berichtet, warnt BA-Chef Frank-Jürgen Weise aber vor Euphorie: „Wir sehen keine Trendwende. (…) Die Konjunktur scheint anzuspringen. Für den Arbeitsmarkt gilt das aus unserer Sicht noch nicht. (…) Auch jenseits der jahreszeitlichen Einflüsse hat der deutsche Arbeitsmarkt die wirtschaftliche Krise gut verkraftet.“

Da ja offiziell vermeldete Arbeitslosenzahlen immer im Verdacht stehen, statistisch nach unten „optimiert“ zu sein, verrät dieser Abschnitt des Artikels auch eine Ursache für den leichten Rückgang der Arbeitslosenrate:

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Erwerbslosigkeit im März um 18.000 ab. Berücksichtigt man jedoch die von privaten Vermittlern betreuten Arbeitssuchenden, die im Zuge einer Statistikänderung seit Mai 2009 nicht mehr als arbeitslos ausgewiesen werden, sind es 142.000 mehr.

Quelle:
Manager Magazin: Kurzarbeit und Zeitkonten retten Jobs

Das ist ja dann eine „super Leistung“, wenn man mit dieser statistischen Neubewertung die Zahlen gesenkt hat.

Einzig relativ erfreulich ist, dass die schlimmsten Prognosen für den Arbeitsmarkt bisher noch nicht eingetreten sind – Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit sei Dank.

Um den europäischen Stabilitätspakt besser durchsetzen zu können fordert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der ZEIT[1]: „Wir brauchen bessere Instrumente, um den Stabilitätspakt durchzusetzen. Und wir brauchen mehr Koordinierung im Sinne einer Wirtschaftsregierung – auch wenn wir den Begriff nicht so sehr lieben. Das alles führt nicht zu weniger, sondern zu mehr Europa.“

Weiter fügt Schäuble hinzu: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die volle Integration der neuen Mitgliedstaaten in unserem Interesse ist. Wie wollen Sie denn die ostdeutschen Länder wirtschaftlich auf die Beine kriegen, wenn nicht durch das Aufwachsen einer neuen Zentralität?“

Außerdem fordert Schäuble ein „bundesstaatliches Europa„, allerdings nicht wie eine Bundesrepublik Deutschland. Warum nicht wie die BRD, steht leider in dem Artikel nicht dabei. Aktuell wirkt das Gebilde der BRD immerhin noch wesentlich demokratischer als die EU-Strukturen. Wohin soll nach Schäubles Ansicht sich also ein immer mehr zentral verwaltetes Europa entwickeln?  Nach den Eindrücken seiner Amtszeit als Innenminister klingen solche Äußerungen nicht gerade positiv.

Die Skepsis in der Bevölkerung hat er schon mitbekommen, aber er ist der Meinung, „dass es der Politik gelingen wird, ein bundesstaatliches Europa zu vermitteln“. Positives Denken ist ihm also nicht fern. Realistisch ist das ganze allerdings nicht, betrachtet man nur mal die Kommentare unter dem ZEIT-Artikel.

Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, wie gut mittlerweile die Leserschaft solche Äußerungen von unseren Politikern durchschauen und einordnen können. Leider dürfte dieser Durchblick noch nicht stellvertretend für die Gesamtbevölkerung stehen. Noch schauen zuviele einfach nur „in die Röhre“ oder meinen, durch die Lektüre der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben (mit der man seine Meinung bilden soll) schon ausreichend informiert zu sein.

Quelle:
[1]: ZEIT: Schäuble fordert Wirtschaftsregierung für Europa

UWie einigen Lesern sicher schon aufgefallen ist, sind Mmnews.de und andere Seiten aktuell down, also nicht mehr erreichbar. Über die Ursache dafür wird nun spekuliert, auf dieser Seite findet man eine Stellungnahme (wohl ein Zitat) von mmnews selbst:

http://freezonechef.servertalk.in/freezonechef-ftopic16559.html

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit gestern Nachmittag gab es Probleme, MMnews zu erreichen. Seit heute Mittag geht leider gar nichts mehr.

Wir kennen die Hintergründe nicht, die zur Abschaltung geführt haben. Allerdings muss es sich um eine interantional koordinierte Aktion gehandelt haben – da MMnews nicht in Deutschland sondern in Asien „steht“.

MMnews wird über Hongkong geroutet. Die Namensserver dort sind auch nicht mehr ansprechbar.

Alle Kontakte zum Provider sind abgebrochen. Es gibt keine Infos. Alles ist ziemlich rätselhaft. Antworten auf Fragen bleiben aus.

Betroffen ist nicht nur MMnews sonder auch zahlreiche andere Seiten der alternativen Blogszene.

Da wir keinen Kontakt mehr zum Provider herstellen können, gehen wir davon aus, das etwas Schlimmes passiert ist. Was, das können wir Ihnen jetzt noch nicht sagen.

Wir hoffen diese Nacht noch auf ein Wunder. Ansonsten werden wir an anderer Stelle weiter machen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon an.

Michael Mross

Mal sehen, was sich hier als Ursache herausstellen wird. Evtl. müssen die Admins von mmnews einfach einen neuen Standort für ihren Server suchen. Hoffentlich ist ein aktuelles Backup vorhanden.

UPDATE:

Wie man hier nachlesen kann, ist u.a. auch der Blog Wahrheiten.org betroffen. Wie dort steht, lagen die betroffenen Seiten wohl alle bei MediaOn, die ebenfalls offline sind.

Hoffen wir mal, dass es nur technische Probleme sind, die bald behoben werden können.

UPDATE 2.0:

Mittlerweile ist mmnews.de wieder verfügbar. Anscheinend wurde der DNS Server von MMnews, der in Hongkong liegt, deaktiviert:

http://www.mmnews.de/index.php/201003305249/MM-News/Kabel-Deutschland-blockiert-MMnews.html

Um die Hintergründe der Finanz- und Wirtschaftskrise und die drohende Hyperinflation und weitere Staatsbankrotte zu verstehen, sollte man sich diesen Artikel unbedingt ansehen:
Inflation und Staatsbankrotte ante portas

U.a. werden folgende Punkte behandelt:

  • Was ist Inflation?
  • Das Geldmengen-Problem
  • Die Staatsverschuldungen schreiten unaufhörlich voran

Homepage vom Autor:
Krisenfrei.de

Wie man in diesem Blogartikel nachlesen kann, ist die Lage am US-Immobilienmarkt immer noch sehr angespannt:
Kollateralschaden(Blog): Obama´s Panik am Häusermarkt: Hier die Erklärung

Bei immerhin 3,52 Millionen von 33,82 Millionen bzw. 10,4% Hypotheken-Darlehen sind die Hauseigentümer im Zahlungsverzug.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen nahmen leicht um 1,1% ab, vom 3. zum 4. Quartal 2009 gerechnet. Gegenüber dem Vorjahr gab es mit 1.079.386 Versteigerungen aber immer noch einen Anstieg von 55,3%.

Hier kann man die Zahlen direkt nachschauen:
OCC and OTS Mortgage Metrics Report

In diesem Blog wurde sich jetzt mal die Mühe gemacht, über viele Schaubilder und Diagramme zu belegen, warum uns nicht nur ein „Peak Oil“ sondern auch ein „Peak West“ droht:
Gaerthner’s Blog: 500 Jahre Aufstieg des Westens gehen zu Ende

Lt. der Meinung des Autors haben jetzt 500 Jahre Vormacht und globale Dominanz des Westens ihren Höhepunkt erreicht, wahrscheinlich sogar schon überschritten. In Zukunft sei eine Verschiebung des globalen Gleichgewichts hin zu neuen Großmächten wie z.B. China zu erwarten.

In dem Beitrag wird ein insgesamt sehr realistischer Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen skizziert. Und es lohnt sich für jeden, über daraus (für sich und für uns im Westen) resultierende Konsequenzen einmal länger nachzudenken.

Um auf die miserable Finanzlage der Städte und Gemeinden in Deutschland aufmerksam zu machen, hat der Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil bewusst drastische Worte gebraucht:

„Wir machen Witze über Griechenland, aber dass die Bundesrepublik auf demselben Weg ist, machen wir uns nicht klar.“ Die kommunalen Finanzen in Deutschland befänden sich in einem rasanten Sinkflug, es sei so „bitter und düster“ wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Vgl.:
HAZ: Griechische Verhältnisse in Deutschland?

Und die immer klammeren Kassen der Kommunen werden die Bürger direkt zu spüren bekommen. Da müssen die ein oder anderen öffentlichen Einrichtungen ganz geschlossen, Serviceleistungen von Ämtern eingeschränkt oder mit steigenden Gebühren belegt werden. Überhaupt muss mit zusätzlichen Gebühren bzw. mit steigenden Abgaben für die Bevölkerung gerechnet werden. Kann sich eine Kommune heute noch ausreichend viel mit zusätzlichen Schulden finanzieren, droht auf Dauer eine exponentiell wachsende Belastung des kommunalen Haushalts mit Zinszahlungen.

Also so weit sind wir bei uns gar nicht von griechischen Verhältnissen entfernt. Im Grunde kann man an Griechenland gerade gut beobachten, was zeitlich versetzt auch mal bei uns drohen könnte.

Wie die „Forschungsgruppe Wahlen“ am 26.03.10 in Mainz veröffentlichte, ist lt. „Sonntagsfrage“ die schwarz-gelbe Koalition in Berlin weiter ohne Mehrheit. Aktuell kämen CDU/CSU auf 37% (+1), die FDP auf 9% (-1),  die SPD auf 26% (+1), Grüne auf 13% (-1) und die Linken auf 11% (+1). Damit kommen Schwarz-Gelb auf 46%, die Opposition im Bundestag auf zusammen 50%. Die sonstigen Parteien waren leider erneut nicht weiter aufgeschlüsselt.

In der politischen Stimmung sieht es für die FDP aktuell noch düsterer aus. Ohne Berücksichtigung der längerfristigen Wählerbindungen, die in die Sonntagsfragen einfließen, liegt die FDP nur noch bei 6%, die Union dafür immerhin bei 40%.

Weiter verschlechtert hat sich die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung. Nachdem Anfang des Monats noch 42% mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden waren, sind es jetzt nur noch 36%. Stellt sich nur die Frage, warum die anderen 64% trotzdem teilweise die aktuelle Regierung noch wählen würden. Oder sie stellt sich auch nicht, wenn man sich die Opposition mal genauer anschaut.

In der Liste der zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker liegt Angela Merkel knapp vor Karl-Theodor zu Guttenberg. Auf den weiteren Plätzen folgen Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble, Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Horst Seehofer. Die weiteren Politiker in der Rangliste liegen mit ihrer durchschnittlichen Bewertung im negativen Bereich: Philipp Rösler, Gregor Gysi, Guido Westerwelle.

Besonders bemerkenswert ist das Abschneiden von Guido Westerwelle. Noch nie zuvor ist ein Außenminister oder FDP-Vorsitzender im Politbarometer schlechter bewertet worden. Ist ja auch mal ein schöner Rekord.

Warum die anderen Politikerkollegen Westerwelles nicht ähnlich schlechte Bewertungen bekommen haben, bleibt wohl das Geheimnis der Befragten. Aber schließlich ist ja der Guttenberg auch so „sympathisch“, der Steinmeier so „seriös“ und unsere Angela die „eiserne Lady von Europa“.

Quelle:
Politbarometer März II 2010

A pro pos Politiker, die auch auf die negative Bewertungsskala gehören: Hier ist noch ein aufschlussreiches Video über Wolfgang Schäuble:
Youtube: Die witzige Welt des Wolfgang Schäuble

Jetzt hat man sich endlich geeinigt, wie man Griechenland im allergrößten Notfall (der natürlich niemals eintreten wird, ist klar) helfen kann. Trotzdem gibt es immer noch kritische Stimmen, man sollte es kaum für möglich halten…

Bei den einen sorgt Merkels Griechenland-Lösung für Misstöne, allein das Zögern von Angela Merkel war schon zuviel. Wird am Ende Deutschland womöglich noch vom proeuropäischen Kurs abweichen? Für die Empfänger von Transferzahlungen aus der EU kann jetzt das „Zittern“ losgehen. Dabei kann man der Bundeskanzlerin vieles vorwerfen, aber nicht, dass sie zu wenig pro-europäisch eingestellt wäre. Allerdings ist jetzt wieder Wahl-Kampf in NRW, da hätten sich zu offensichtliche Finanzhilfen für Griechenland sicher nicht gut gemacht. Die Umfragewerte sagen sowieso schon eine klare Wahlniederlage für die CDU-FDP-Koalition voraus.

Im Netz dagegen sind die Reaktionen noch negativer. Wurde Merkels „Verhandlungsgeschick“ noch teilweise gelobt bis bejubelt, fallen die Urteile bei Leserzuschriften und Blogbeiträgen verheerend aus.

Irgendwie konnte man vielen doch nicht vormachen, dass das Hilfspaket an Griechenland so ganz ohne deutsche Finanzhilfe auskommt.

Auf dem Blog „Kollateralschaden“ heisst es z.B.:
Griechenland wird offiziell zum Entwicklungsland !

Wie der Autor richtig anmerkt, ist Deutschland natürlich indirekt doch massiv an dem Rettungspaket beteiligt:

Der mainstream bejubelt die “Eiserne” Kanzlerin – hier muß man wohl fragen, ob die mainstream-Journalisten inzwischen komplett verblödet sind. Deutschland trägt 27% der Hilfen – an welche Voraussetzungen die auch immer gekoppelt sind.

Jetzt konnte man sich doch noch einig werden. Die Euro-Zone hat sich auf einen Finanzierungsmechanismus für Griechenland verständigt, bei der im Notfall der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Mitgliedstaaten der Euro-Zone mit bilateralen Krediten aushelfen werden.

Vgl.
Handelsblatt: Euro-Zone beschließt Notfallplan für Athen
Spiegel: Euro-Länder schließen Rettungspakt für Athen

In den Tagesthemen (ARD) wird aber schon „beruhigt“, das ganze gilt wirklich nur für den absoluten Notfall (ist klar). Und dann ist es auch nicht gesagt, dass wir am Ende wirklich einen Euro verlieren werden – das ganze würde dann ja als Schulden gezahlt und die würden ja normalerweise zurückgezahlt. Na dann…

Lustigerweise werden gerade diese Garantien die Finanzmärkte wohl zunächst beruhigen. Und dann kann Griechenland erstmal weiter regulär seine Staatsanleihen loswerden und seine Schulden refinanzieren. Was passiert aber, wenn die Psycho-Tricks der Politik nicht mehr ausreichen?

Die Bundesregierung hatte ja schon zu Beginn der Finanzkrise einen drohenden Bank-Run verhindert, indem man die Guthaben der Sparer (mit unserem eigenen Steuergeld! und natürlich nur bis zu einer gewissen Höhe) garantiert hatte. Und anstatt nun noch schneller sein Geld von den Konten abzuheben, haben sich fast alle wieder beruhigt.

Hier ist eine sehr gelungene Dokumentation von Claus Strigel über unser Geld und die Zusammenhänge mit der aktuellen Finanzkrise.

Aus der Inhaltsangabe auf Youtube:

„Der Schein trügt“ ist kein Film zur Finanzkrise. Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Geld eine Schicht tiefer. Einer Schicht, die in der Hitze der Ereignisse der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise eher aus dem Blick geraten ist. Hat unser Geld selbst ursächlich mit der Krise zu tun?

Der Film wurde 2009 gedreht und im Bayrischen Fernsehen am 05.01.2010 ausgestrahlt.

Hier ist die Homepage zum Film:
http://www.denkmal-film.com/derscheintruegt.com/index.html

Und hier der Link zum Youtube-Video (10 Teile):
Youtube: Der Schein trügt – HQ Deutsch (1/10)

Wer die Vorträge von Prof. Senf und anderen kennt, dem wird das ein oder andere schon sehr bekannt vorkommen, v.a. die Darstellung vom Schuldgeld und von der Geldschöpfung per Kredit.

Besonders interessant ist der Bericht über Regionalwährungen (1x in der Schweiz, 1x in Brasilien), die zusammen mit anderen ähnlichen lokalen Projekten im Idealfall helfen können, das Geldsystem wieder in ein „überlebensfähiges Gleichgewicht“ zu bringen. Zumindest für die regionale Bevölkerung hatten die Alternativwährungen in den Beispielen schon einiges an Fortschritt gebracht.

Der SPIEGEL hat mit Thomas Mayer, seit Anfang 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ein Interview geführt, in dem Mayer Stellung nimmt zur Griechenland-Krise und möglichen Rettungsszenarien.

Für Mayer ist der Umgang mit der Griechenland-Krise die große Bewährungsprobe für die Währungsunion. Er warnt vor einer leichtfertigen Rettungsaktion für Griechenland, das könnte das Zerbrechen der Währungsunion zur Folge haben.

Vgl.
SPIEGEL: „Griechenland ist die Bewährungsprobe“

Mayer sagt u.a.:

„Der Stabilitätspakt fordert, dass die Länder selbst mit ihren Haushaltsproblemen fertig werden. Wenn wir diesen Grundsatz vernachlässigen, ist das gefährlich für die Akzeptanz der Europäischen Währungsunion besonders in Deutschland.“

„Man schafft einen Präzedenzfall. Sofort hätten die Regierungen anderer Länder auch das Gefühl: Im Notfall können wir in Berlin anklopfen und ein paar Milliarden abrufen. Der Umgang mit der Griechenland-Krise ist deshalb eine Bewährungsprobe, er wird bestimmen, wie es mit dem Euro weitergeht.“

„Wir dürfen auf keinen Fall auf eine Transferunion hinsteuern, in der die starken Länder die weniger starken finanziell permanent stützen. Sonst wird die Akzeptanz für den Euro in der Bevölkerung schnell schwinden. Die Währungsunion könnte daran mittelfristig zerbrechen.“

Mayer befürchtet auch, dass bei Scheitern der Hilfen seitens des IWF ein „ungeordneter Bankrott“ Griechenlands droht. Folge wären Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro allein für die deutsche Finanzbranche. Dann wäre die Finanzkrise II endgültig da.

Daher spricht er sich für einen Europäischen Währungsfond aus, der im schlimmsten Fall einen Staat wie Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen könnte.

Von Forderungen nach einer europäischen Wirtschaftsregierung hält Mayer nicht viel. Er verweist auf die fehlgeschlagenen Pläne vom Jahr 2000, Europa binnen eines Jahrzehnts zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Das hätte ja auch nicht funktioniert.

Für das Jahr 2010 ist Mayer dafür ziemlich optimistisch. Für die Weltwirtschaft erwartet er ein Wachstum von 4,25 %, allein Chinas Wirtschaft soll um weitere 10 % zulegen. Und da Deutschland in diesen Märkten gut aufgestellt sei, ist auch hierzulande ein Wirtschaftswachstum von 2 % drin.

Hier ist ein Interview mit dem Euro-Kritiker Professor Dr. Wilhelm Hankel im ARD-Morgenmagazin:
Youtube: Griechenland muss für die deutsche Wirtschaft gerettet werden

Ein paar Auszüge aus dem Interview:

Moderatorin: Herr Hankel, ist es auch ein bisschen Genugtuung für Sie, was da jetzt passiert?

Hankel: Ich bin der unglückliche Vater, der immer versucht hat, sein Kind NICHT in den Brunnen fallen zu lassen und sieht nun, es ist doch passiert. Nein, also eigentlich eher unglücklich.

Moderatorin: (…) Wieso meinen Sie der unglückliche Vater?

Hankel: Ich wollte verhindern, dass Europa in diese Sackgasse läuft. Denn es ist eine Sackgasse. Und jetzt müssen wir versuchen, aus diese Sackgasse herauszukommen. Und das geht eigentlich nur dadurch… nicht dass man gleich den Euro abschafft, aber dass man die Staaten, die nie reingehört haben – Griechenland hat immer dazugehört – dass man denen jetzt den Ausgang verschafft.

Moderatorin: Kann man das denn? Es gibt keine rechtliche Handhabe, Griechenland aus der Euro-Zone auszuschließen. Wenn, dann müssten die freiwillig gehen. Was hätten die davon?

Hankel: Es wäre das beste für Griechenland selbst. Einmal für Europa, sich von diesem Ballast, von diesen Hypotheken zu trennen. Aber auch Griechenland, Griechenland nimmt doch jetzt einen schlimmen Weg, wenn man jetzt die Auflagen bedenkt. Aus Griechenland würde ja ein Polizeistaat werden, wenn sie die Steuern senken (Anm.: ist wohl ein Versprecher, er meint eher ‚erhöhen‘) müssen, den Sozialstaat abschaffen.. Griechenland hat jetzt eine Gelegenheit, aus der Euro-Zone auszutreten, freiwillig, zum Nutzen der eigenen Bürger, und in den Club zu gehen, der ja da ist, nämlich den sogenannten „Wechselkurs-Club“. Da sitzen ganz ehrenwerte Länder, die zur EU gehören wie die baltischen Staaten, wie Polen und Ungarn. Dann kriegt Griechenland wieder eine eigene Währung, kann die in Ordnung bringen und die Grundlagen für neues Wirtschaftswachstum schaffen.

Moderatorin: Aber, wenn Griechenland nun ausscheiden würde und die EU nicht mehr im Rücken hat als Deckung, dann sind sie sofort pleite, ist es so?

Hankel: Also ein Staat, der sein eigenes Geld hat, kann niemals Pleite gehen. Das Problem Griechenland ist, dass sie kein eigenes Geld haben, dass sie den Euro gar nicht drucken dürfen. Aber wenn sie das könnten, indem sie wieder die Drachme hätten, dann wäre die größte Gefahr einer Staatspleite beseitigt. Vor allen Dingen aber könnte man die Drachme aber stabilisieren. (…)

Moderatorin: (…) Jetzt sagt aber Deutsche-Bank-Chef Ackermann, wenn Griechenland pleite geht oder wenn die kein Geld mehr kriegen, dann sind wir als Deutsche Banken – der spricht da im Plural – dann gehen wir mit in die Knie. Ist da was dran?

Hankel: Natürlich, er (Ackermann) ist jetzt sehr ehrlich und sagt:“Es geht gar nicht um Griechenland, es geht um uns.“. Aber es geht auch um unsere Steuerzahler. Wir können doch nicht die griechischen Schulden übernehmen. Griechenland hat einmal einen Kredit gekriegt von den Gläubigern, einen großen, den hat es verwirtschaftet. Nun kann Griechenland doch nicht einen zweiten Kredit kriegen, bloß weil es den ersten nicht zurückzahlen kann? (…)
Nein, ich würde sagen, Deutschland ginge NICHT unter, nur weil man eine Bank pleite geht. Das ist für die Marktwirtschaft besser. Ein kleiner Unternehmer muss für seine Schulden haften, warum nicht ein großer Banker?

Moderatorin: Glauben Sie trotzdem, dass das der Anfang vom Ende des Euros wird?

Hankel: Wenn man jetzt eine falsche Griechenland-Lösung anstrebt, wenn man jetzt einen Währungsfond schafft, der im Grunde eine Bad Bank ist, der die faulen Schulden aufkauft… Dann ist der Euro erledigt. Dann wird er die schlimmste „Weich-Währung“, die es in Europa je gegeben hat. Nein, man kann den Euro retten, in dem man die „faulen Stellen“ herausschneidet, indem die Länder, die nicht reingehören, freiwillig rausgehen, auch zu ihrem eigenen Nutzen. Und dann hätten wir einen Euro für Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten. Länder, die auch ökonomisch zusammengehören und eigentlich schon immer über die D-Mark früher so etwas wie einen Währungsverbund zusammen gebildet haben.

In dem Zusammenhang sei auch noch auf diesen interessanten Artikel verwiesen:
Polit-Profiler: Chronologie der Finanzkrise

Wie das statistische Bundesamt vermeldet, sanken im Januar die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6 %. Zum Bauhauptgewerbe werden Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen gezählt.

Immerhin gab es ein kleines Plus von 0,3% bei den Beschäftigten. Dafür ist der Gesamtumsatz um ganze 20,3% auf 2,849 Milliarden Euro eingebrochen.

Quelle:
Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr.115 vom 24.03.2010

Wie das statistische Bundesamt heute vermeldet hat, betrug für das Jahr 2009 das kassenmäßige Finanzierungsdefizit der Kommunen 7,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2008 hatte man noch ein Finanzierungsüberschuss von 7,7 Milliarden Euro errechnet.

Die Einnahmen der Kommunen sanken um 2,7% auf 170,1 Milliarden Euro, die Ausgaben stiegen gleichzeitig um 6,0 % auf 177,2 Milliarden Euro.

Der Einbruch bei den Einnahmen wird v.a. auf die stark rückläufigen Steuereinnahmen der Kommunen zurückgeführt. Diese sanken um immerhin 11,4 % auf 62,4 Milliarden Euro.

Nach Abzug der Gewerbesteuerumlage sanken die für Kommunen besonders wichtigen Gewerbesteuerbeträge um 19,7 %.

Quelle:
Statistisches Bundesamt Deutschland: Pressemitteilung Nr.114 vom 23.03.2010

Da die Haushaltslage von Kommune zu Kommune stark variiert und teilweise auch abhängig von der örtlich vorhandenen Wirtschaftsstruktur abhängt, kann dieses Defizit für einige Städte und Gemeinden den kurzfristigen Bankrott bedeuten.

Heute wurde als Beispiel im ZDF-Morgenmagazin die Stadt Wuppertal genannt. Diese ist in Kürze faktisch überschuldet und müsste als Unternehmen in die Insolvenz gehen. Folge: Einige Gebühren sollen jetzt für die Bürger angehoben werden, öffentliche Einrichtungen werden geschlossen usw.

Der Ton zwischen Athen und Berlin aber auch zwischen der deutschen Regierung und der EU wird immer rauer. Wahrscheinlich um Druck auf Deutschland auszuüben, die sich zumindest öffentlich noch gegen EU-Hilfen für Griechenland aussprechen, wirft nun der griechische Vize-Premier den Deutschen vor, „von der Misere seines Landes zu profitieren“:
FTD: Griechen sehen in Deutschland Krisengewinner

Mal sehen, ob ihnen gelingen wird, Deutschland und die EU doch noch zu direkten Finanzhilfen zu bewegen.

Währenddessen hat sich jetzt Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), gegen einen diskutierten möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. Damit hat sich Trichet klar gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) positioniert, die eine Veränderung der EU-Verträge empfohlen hatte, um die Stabilität des Euro zu stärken und bei Bedarf mehr Druck auf Mitgliedsländer ausüben zu können. Selbst ein Ausschluss eines Mitgliedlandes aus der Euro-Zone dürfe dabei kein Tabu sein.

Bis jetzt scheint die deutsche Regierung mit dieser Position alleine dazustehen. Stattdessen wächst der Druck, einem konkreten Hilfsplan für Griechenland zuzustimmen.

Quelle:
FTD: Trichet schützt Griechen vor Merkel

Helen Skopis vom griechischen Radiosender „Athen International Radio“ interviewte Gerald Celente über die Krise in Griechenland, die Zukunft der Eurozone und die Wirtschaftskrise.

Hier ist ein Mitschnitt des Interviews:
Gerald Celente on the Greek Debt Crisis interview with Helen Skopis of Athens, Greece

Und hier sind ein paar Aussagen von Gerald Celente in dem Interview:

This is not capitalism, this is not free markets. Wallstreet has hijacked Washington and the global financiers have hijacked the entire system!

Just look at the names involved. Now they are talking about the „Goldman Sachs gang“ (…)

Who was the treasury secretary under George Bush? Henry Poulson! Where did he come from? He was a CEO of Goldman Sachs. (…)

Hier ist ein weiteres Interview mit dem Trendforscher Gerald Celente, der für 2010 einen weiteren großen Crash kommen sieht:
Gerald Celente: Great 2010 Crash is looming

Und hier ist noch ein Link zu Celentes „Trends Research Institute“:
http://www.trendsresearch.com/

Die Investoren an der Wall Street lassen sich ja heutzutage leicht verunsichern. Gerade wurde der Nachfolger des Hollywoodblockbusters „Wall Street“ von April auf Ende September verschoben. Und nun soll in Onlineforen heiss diskutiert werden, dass hinter dieser Verschiebung mehr stecken könnte. Der erste „Wall Street“-Film war schon kurz nach dem Kurssturz an der Wall Street von 23 Prozent im September 1987 gestartet. Ist das ganze nun ein Omen für einen erneuten Börsenkollaps?

Aber warum hat Oliver Stone überhaupt einen 2. Teil gedreht von „Wall Street“?

Nun, es sei wichtig, so die Antwort. Es gehe um nichts Geringeres als den Kollaps des Kapitalismus, den Kollaps unserer Gesellschaft. Das sei ein starker Stoff.

Bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall der Film bzw. Oliver Stone eher ein Kontraindikator zur Börsen- und Wirtschaftsentwicklung ist.

Quelle:
FTD: Die Gier war nie weg

Wie das Statistische Bundesamt Deutschland vermeldet, gab es im Handwerk 2009 Umsatzeinbußen von 5%. Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten um 1,5% ab.

Immerhin zwei der sieben Handwerk-Untergruppen konnten sogar ein Umsatzplus erzielen. Eine davon, das Kraftfahrzeuggewerbe, dürfte dabei allerdings noch von der Abwrackprämie profitiert haben. Trotz Umsatzplus wurde in dem Sektor sogar mit 3,1% überdurchschnittlich viel Personal abgebaut.

Am meisten Personalabbau gab es mit 3,3% beim „Handwerke für den gewerblichen Bedarf“, wo auch der größte Umsatzeinbruch von 17,7% gegenüber dem Vorjahr ermittelt wurde.

Quelle:
Statistisches Bundesamt: 5,0% weniger Umsatz im Handwerk im Jahr 2009

Lt. einer anderen Pressemitteilung des Bundesamts lag der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Februar 2010 um 2,9% niedriger als im Februar 2009. Zwei Drittel der Veränderung des Gesamtindexes sollen auf veränderte Energiepreise zurückzuführen sein, die um immerhin 8,3 % nachgegeben haben.

Quelle:
Statistisches Bundesamt: Erzeugerpreise Februar 2010: – 2,9% gegenüber Februar 2009