Archiv für März 2010
Hier ist eine sehr gelungene Dokumentation von Claus Strigel über unser Geld und die Zusammenhänge mit der aktuellen Finanzkrise.
Aus der Inhaltsangabe auf Youtube:
“Der Schein trügt” ist kein Film zur Finanzkrise. Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Geld eine Schicht tiefer. Einer Schicht, die in der Hitze der Ereignisse der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise eher aus dem Blick geraten ist. Hat unser Geld selbst ursächlich mit der Krise zu tun?
Der Film wurde 2009 gedreht und im Bayrischen Fernsehen am 05.01.2010 ausgestrahlt.
Hier ist die Homepage zum Film:
http://www.denkmal-film.com/derscheintruegt.com/index.html
Und hier der Link zum Youtube-Video (10 Teile):
Youtube: Der Schein trügt – HQ Deutsch (1/10)
Wer die Vorträge von Prof. Senf und anderen kennt, dem wird das ein oder andere schon sehr bekannt vorkommen, v.a. die Darstellung vom Schuldgeld und von der Geldschöpfung per Kredit.
Besonders interessant ist der Bericht über Regionalwährungen (1x in der Schweiz, 1x in Brasilien), die zusammen mit anderen ähnlichen lokalen Projekten im Idealfall helfen können, das Geldsystem wieder in ein “überlebensfähiges Gleichgewicht” zu bringen. Zumindest für die regionale Bevölkerung hatten die Alternativwährungen in den Beispielen schon einiges an Fortschritt gebracht.
Der SPIEGEL hat mit Thomas Mayer, seit Anfang 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ein Interview geführt, in dem Mayer Stellung nimmt zur Griechenland-Krise und möglichen Rettungsszenarien.
Für Mayer ist der Umgang mit der Griechenland-Krise die große Bewährungsprobe für die Währungsunion. Er warnt vor einer leichtfertigen Rettungsaktion für Griechenland, das könnte das Zerbrechen der Währungsunion zur Folge haben.
Vgl.
SPIEGEL: “Griechenland ist die Bewährungsprobe”
Mayer sagt u.a.:
“Der Stabilitätspakt fordert, dass die Länder selbst mit ihren Haushaltsproblemen fertig werden. Wenn wir diesen Grundsatz vernachlässigen, ist das gefährlich für die Akzeptanz der Europäischen Währungsunion besonders in Deutschland.”
“Man schafft einen Präzedenzfall. Sofort hätten die Regierungen anderer Länder auch das Gefühl: Im Notfall können wir in Berlin anklopfen und ein paar Milliarden abrufen. Der Umgang mit der Griechenland-Krise ist deshalb eine Bewährungsprobe, er wird bestimmen, wie es mit dem Euro weitergeht.”
“Wir dürfen auf keinen Fall auf eine Transferunion hinsteuern, in der die starken Länder die weniger starken finanziell permanent stützen. Sonst wird die Akzeptanz für den Euro in der Bevölkerung schnell schwinden. Die Währungsunion könnte daran mittelfristig zerbrechen.”
Mayer befürchtet auch, dass bei Scheitern der Hilfen seitens des IWF ein “ungeordneter Bankrott” Griechenlands droht. Folge wären Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro allein für die deutsche Finanzbranche. Dann wäre die Finanzkrise II endgültig da.
Daher spricht er sich für einen Europäischen Währungsfond aus, der im schlimmsten Fall einen Staat wie Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen könnte.
Von Forderungen nach einer europäischen Wirtschaftsregierung hält Mayer nicht viel. Er verweist auf die fehlgeschlagenen Pläne vom Jahr 2000, Europa binnen eines Jahrzehnts zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Das hätte ja auch nicht funktioniert.
Für das Jahr 2010 ist Mayer dafür ziemlich optimistisch. Für die Weltwirtschaft erwartet er ein Wachstum von 4,25 %, allein Chinas Wirtschaft soll um weitere 10 % zulegen. Und da Deutschland in diesen Märkten gut aufgestellt sei, ist auch hierzulande ein Wirtschaftswachstum von 2 % drin.
Hier ist ein Interview mit dem Euro-Kritiker Professor Dr. Wilhelm Hankel im ARD-Morgenmagazin:
Youtube: Griechenland muss für die deutsche Wirtschaft gerettet werden
Ein paar Auszüge aus dem Interview:
Moderatorin: Herr Hankel, ist es auch ein bisschen Genugtuung für Sie, was da jetzt passiert?
Hankel: Ich bin der unglückliche Vater, der immer versucht hat, sein Kind NICHT in den Brunnen fallen zu lassen und sieht nun, es ist doch passiert. Nein, also eigentlich eher unglücklich.
Moderatorin: (…) Wieso meinen Sie der unglückliche Vater?
Hankel: Ich wollte verhindern, dass Europa in diese Sackgasse läuft. Denn es ist eine Sackgasse. Und jetzt müssen wir versuchen, aus diese Sackgasse herauszukommen. Und das geht eigentlich nur dadurch… nicht dass man gleich den Euro abschafft, aber dass man die Staaten, die nie reingehört haben – Griechenland hat immer dazugehört – dass man denen jetzt den Ausgang verschafft.
Moderatorin: Kann man das denn? Es gibt keine rechtliche Handhabe, Griechenland aus der Euro-Zone auszuschließen. Wenn, dann müssten die freiwillig gehen. Was hätten die davon?
Hankel: Es wäre das beste für Griechenland selbst. Einmal für Europa, sich von diesem Ballast, von diesen Hypotheken zu trennen. Aber auch Griechenland, Griechenland nimmt doch jetzt einen schlimmen Weg, wenn man jetzt die Auflagen bedenkt. Aus Griechenland würde ja ein Polizeistaat werden, wenn sie die Steuern senken (Anm.: ist wohl ein Versprecher, er meint eher ‘erhöhen’) müssen, den Sozialstaat abschaffen.. Griechenland hat jetzt eine Gelegenheit, aus der Euro-Zone auszutreten, freiwillig, zum Nutzen der eigenen Bürger, und in den Club zu gehen, der ja da ist, nämlich den sogenannten “Wechselkurs-Club”. Da sitzen ganz ehrenwerte Länder, die zur EU gehören wie die baltischen Staaten, wie Polen und Ungarn. Dann kriegt Griechenland wieder eine eigene Währung, kann die in Ordnung bringen und die Grundlagen für neues Wirtschaftswachstum schaffen.
Moderatorin: Aber, wenn Griechenland nun ausscheiden würde und die EU nicht mehr im Rücken hat als Deckung, dann sind sie sofort pleite, ist es so?
Hankel: Also ein Staat, der sein eigenes Geld hat, kann niemals Pleite gehen. Das Problem Griechenland ist, dass sie kein eigenes Geld haben, dass sie den Euro gar nicht drucken dürfen. Aber wenn sie das könnten, indem sie wieder die Drachme hätten, dann wäre die größte Gefahr einer Staatspleite beseitigt. Vor allen Dingen aber könnte man die Drachme aber stabilisieren. (…)
Moderatorin: (…) Jetzt sagt aber Deutsche-Bank-Chef Ackermann, wenn Griechenland pleite geht oder wenn die kein Geld mehr kriegen, dann sind wir als Deutsche Banken – der spricht da im Plural – dann gehen wir mit in die Knie. Ist da was dran?
Hankel: Natürlich, er (Ackermann) ist jetzt sehr ehrlich und sagt:”Es geht gar nicht um Griechenland, es geht um uns.”. Aber es geht auch um unsere Steuerzahler. Wir können doch nicht die griechischen Schulden übernehmen. Griechenland hat einmal einen Kredit gekriegt von den Gläubigern, einen großen, den hat es verwirtschaftet. Nun kann Griechenland doch nicht einen zweiten Kredit kriegen, bloß weil es den ersten nicht zurückzahlen kann? (…)
Nein, ich würde sagen, Deutschland ginge NICHT unter, nur weil man eine Bank pleite geht. Das ist für die Marktwirtschaft besser. Ein kleiner Unternehmer muss für seine Schulden haften, warum nicht ein großer Banker?
Moderatorin: Glauben Sie trotzdem, dass das der Anfang vom Ende des Euros wird?
Hankel: Wenn man jetzt eine falsche Griechenland-Lösung anstrebt, wenn man jetzt einen Währungsfond schafft, der im Grunde eine Bad Bank ist, der die faulen Schulden aufkauft… Dann ist der Euro erledigt. Dann wird er die schlimmste “Weich-Währung”, die es in Europa je gegeben hat. Nein, man kann den Euro retten, in dem man die “faulen Stellen” herausschneidet, indem die Länder, die nicht reingehören, freiwillig rausgehen, auch zu ihrem eigenen Nutzen. Und dann hätten wir einen Euro für Deutschland, Frankreich, die Benelux-Staaten. Länder, die auch ökonomisch zusammengehören und eigentlich schon immer über die D-Mark früher so etwas wie einen Währungsverbund zusammen gebildet haben.
In dem Zusammenhang sei auch noch auf diesen interessanten Artikel verwiesen:
Polit-Profiler: Chronologie der Finanzkrise
Wie das statistische Bundesamt vermeldet, sanken im Januar die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,6 %. Zum Bauhauptgewerbe werden Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen gezählt.
Immerhin gab es ein kleines Plus von 0,3% bei den Beschäftigten. Dafür ist der Gesamtumsatz um ganze 20,3% auf 2,849 Milliarden Euro eingebrochen.
Quelle:
Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr.115 vom 24.03.2010
Wie das statistische Bundesamt heute vermeldet hat, betrug für das Jahr 2009 das kassenmäßige Finanzierungsdefizit der Kommunen 7,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2008 hatte man noch ein Finanzierungsüberschuss von 7,7 Milliarden Euro errechnet.
Die Einnahmen der Kommunen sanken um 2,7% auf 170,1 Milliarden Euro, die Ausgaben stiegen gleichzeitig um 6,0 % auf 177,2 Milliarden Euro.
Der Einbruch bei den Einnahmen wird v.a. auf die stark rückläufigen Steuereinnahmen der Kommunen zurückgeführt. Diese sanken um immerhin 11,4 % auf 62,4 Milliarden Euro.
Nach Abzug der Gewerbesteuerumlage sanken die für Kommunen besonders wichtigen Gewerbesteuerbeträge um 19,7 %.
Quelle:
Statistisches Bundesamt Deutschland: Pressemitteilung Nr.114 vom 23.03.2010
Da die Haushaltslage von Kommune zu Kommune stark variiert und teilweise auch abhängig von der örtlich vorhandenen Wirtschaftsstruktur abhängt, kann dieses Defizit für einige Städte und Gemeinden den kurzfristigen Bankrott bedeuten.
Heute wurde als Beispiel im ZDF-Morgenmagazin die Stadt Wuppertal genannt. Diese ist in Kürze faktisch überschuldet und müsste als Unternehmen in die Insolvenz gehen. Folge: Einige Gebühren sollen jetzt für die Bürger angehoben werden, öffentliche Einrichtungen werden geschlossen usw.
Der Ton zwischen Athen und Berlin aber auch zwischen der deutschen Regierung und der EU wird immer rauer. Wahrscheinlich um Druck auf Deutschland auszuüben, die sich zumindest öffentlich noch gegen EU-Hilfen für Griechenland aussprechen, wirft nun der griechische Vize-Premier den Deutschen vor, “von der Misere seines Landes zu profitieren”:
FTD: Griechen sehen in Deutschland Krisengewinner
Mal sehen, ob ihnen gelingen wird, Deutschland und die EU doch noch zu direkten Finanzhilfen zu bewegen.
Währenddessen hat sich jetzt Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), gegen einen diskutierten möglichen Ausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. Damit hat sich Trichet klar gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) positioniert, die eine Veränderung der EU-Verträge empfohlen hatte, um die Stabilität des Euro zu stärken und bei Bedarf mehr Druck auf Mitgliedsländer ausüben zu können. Selbst ein Ausschluss eines Mitgliedlandes aus der Euro-Zone dürfe dabei kein Tabu sein.
Bis jetzt scheint die deutsche Regierung mit dieser Position alleine dazustehen. Stattdessen wächst der Druck, einem konkreten Hilfsplan für Griechenland zuzustimmen.
Helen Skopis vom griechischen Radiosender “Athen International Radio” interviewte Gerald Celente über die Krise in Griechenland, die Zukunft der Eurozone und die Wirtschaftskrise.
Hier ist ein Mitschnitt des Interviews:
Gerald Celente on the Greek Debt Crisis interview with Helen Skopis of Athens, Greece
Und hier sind ein paar Aussagen von Gerald Celente in dem Interview:
This is not capitalism, this is not free markets. Wallstreet has hijacked Washington and the global financiers have hijacked the entire system!
Just look at the names involved. Now they are talking about the “Goldman Sachs gang” (…)
Who was the treasury secretary under George Bush? Henry Poulson! Where did he come from? He was a CEO of Goldman Sachs. (…)
Hier ist ein weiteres Interview mit dem Trendforscher Gerald Celente, der für 2010 einen weiteren großen Crash kommen sieht:
Gerald Celente: Great 2010 Crash is looming
Und hier ist noch ein Link zu Celentes “Trends Research Institute”:
http://www.trendsresearch.com/
Die Investoren an der Wall Street lassen sich ja heutzutage leicht verunsichern. Gerade wurde der Nachfolger des Hollywoodblockbusters “Wall Street” von April auf Ende September verschoben. Und nun soll in Onlineforen heiss diskutiert werden, dass hinter dieser Verschiebung mehr stecken könnte. Der erste “Wall Street”-Film war schon kurz nach dem Kurssturz an der Wall Street von 23 Prozent im September 1987 gestartet. Ist das ganze nun ein Omen für einen erneuten Börsenkollaps?
Aber warum hat Oliver Stone überhaupt einen 2. Teil gedreht von “Wall Street”?
Nun, es sei wichtig, so die Antwort. Es gehe um nichts Geringeres als den Kollaps des Kapitalismus, den Kollaps unserer Gesellschaft. Das sei ein starker Stoff.
Bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall der Film bzw. Oliver Stone eher ein Kontraindikator zur Börsen- und Wirtschaftsentwicklung ist.
Quelle:
FTD: Die Gier war nie weg
Wie das Statistische Bundesamt Deutschland vermeldet, gab es im Handwerk 2009 Umsatzeinbußen von 5%. Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten um 1,5% ab.
Immerhin zwei der sieben Handwerk-Untergruppen konnten sogar ein Umsatzplus erzielen. Eine davon, das Kraftfahrzeuggewerbe, dürfte dabei allerdings noch von der Abwrackprämie profitiert haben. Trotz Umsatzplus wurde in dem Sektor sogar mit 3,1% überdurchschnittlich viel Personal abgebaut.
Am meisten Personalabbau gab es mit 3,3% beim “Handwerke für den gewerblichen Bedarf”, wo auch der größte Umsatzeinbruch von 17,7% gegenüber dem Vorjahr ermittelt wurde.
Quelle:
Statistisches Bundesamt: 5,0% weniger Umsatz im Handwerk im Jahr 2009
Lt. einer anderen Pressemitteilung des Bundesamts lag der Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Februar 2010 um 2,9% niedriger als im Februar 2009. Zwei Drittel der Veränderung des Gesamtindexes sollen auf veränderte Energiepreise zurückzuführen sein, die um immerhin 8,3 % nachgegeben haben.
Quelle:
Statistisches Bundesamt: Erzeugerpreise Februar 2010: – 2,9% gegenüber Februar 2009
