Archiv für März 2010
Im Interview mit Focus Money erklärt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, warum Athen den Euro eine zeitlang abgeben sollte, woher Hilfe kommen kann und warum Deutschland erpressbar ist:
Focus Money: „Das Griechen-Drama wird schrecklich enden“
Sinn hält die Lage in Griechenland für dramatisch. Es gibt nicht nur ein großes Loch im Staatshaushalt sondern auch ein großes Defizit im Außenhandel. Allein im Jahr 2008 betrug dieses Defizit 38 Milliarden Euro oder 16 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Für Sinn handelt es sich hier um eine griechische Tragödie. Für den Ausgang sieht er drei Möglichkeiten.
1. Man schenkt Griechenland das benötigte Geld einfach.
2. Griechenland geht in eine scharfe Depression mit sinkenden Preisen und Löhnen, bis es seine Wettbewerbsfähigkeit wieder erhöht hat.
3. Griechenland tritt aus dem Euro aus, führt eine eigene Währung ein und wertet diese ab, wobei gleichzeitig ein Schuldenmoratorium erklärt wird.
Die erste Variante hält Sinn aber für nicht praktikabel, da man dann in Kürze weitere Staaten auf die selbe Weise finanziell stützen müsste. Griechenland ist ja nicht das einzigste Land in der EU, das in finanziellen Schwierigkeiten steckt.
Aber auch die zweite Möglichkeit sei schrecklich, das könnte das Land bis an den Rand des Bürgerkrieges führen. Soziale Unruhen hat man dort ja auch schon gesehen.
Aber auch die dritte Variante, an die anscheinend für Sinn kein Weg vorbei führt, wäre schlimm. Die Euro-Zone würde nicht nur ein Mitglied verlieren, es müssten natürlich auch alle Gläubiger Griechenlands zum Teil ihre Forderungen komplett abschreiben. Allein die deutschen Banken sollen aktuell 32 Milliarden Euro an griechischen Staatspapieren halten.
Interessant ist auch diese Aussage von Sinn:
“Man muss allerdings schnell und überraschend handeln, auf der Basis von Bilanz- und Vermögenspositionen eines bereits zurückliegenden Zeitpunktes. Der Internationale Währungsfonds (IWF), dem ich die akute Rettung Griechenlands anvertrauen würde, hat viel praktische Erfahrung, wie so etwas zu geschehen hat. (…)
Für den IWF spricht auch, dass es so oder so erhebliche Proteste in Griechenland geben wird, wenn man dem Land nicht immer wieder mit Geschenken hilft. Es ist besser, wenn sich der Zorn gegen den IWF richtet als gegen uns.”
Es kann also im Zweifel ganz schnell gehen, von heute auf morgen, vielleicht auch über ein paar Feiertage, wo die Geschäfte und Banken geschlossen haben?
Gerüchte, es könnte bald einen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum geben, gibt es schon länger und wird in verschiedenen Foren diskutiert.
Vgl. z.B. hier:
DasgelbeForum: Gewagte (?) These: Griechenland wird über Ostern auch den Euro abgeben
Die Lage für Griechenland bleibt weiter angespannt. Angela Merkel hat in der Diskussion um Finanzhilfen für Griechenland den Internationalen Währungsfond ins Spiel gebracht und damit Hilfen von der EU in Frage gestellt. Die Folge waren eine gestiegene Verunsicherung unter den Investoren, ein fallender Euro und anziehende Kurse für Kreditderivate auf griechische Staatsanleihen.
Vgl.
FTD: “Gefechtskehrtwende” verschreckt Investoren
Nun hoffen die Griechen auf den IWF. Lt. Medienangaben überlegt man, schon zu Ostern beim IWF vorstellig zu werden.
Der IWF dagegen sieht die Europäer in der Pflicht und erwartet von der EU eine interne Lösung.
Das Magazin “Focus Money” hat Thomas Mayer, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, zum Thema Finanzkrise interviewt.
Für ihn ist die Finanzkrise nicht ausgestanden, was nicht nur an Griechenland sondern auch an anderen Ländern liegt, um die es seiner Meinung nach nicht viel besser steht.
Bei einem Staatsbankrott Griechenlands würde es zu weiteren schweren Turbulenzen an den Kapitalmärkten kommen. Beim Absturz der griechischen Anleihen, würden die Anleihen anderer Länder, wie z.B. Spanien oder Portugal, mit fallen. Das kann bis zum Zusammenbruch des Anleihenmarkts gehen. Die Aktienmärkte würden dann natürlich auch massiv unter Druck geraten.
Mayer spricht sich für einen “Europäischen Währungsfond” (EWF) aus, damit man eine Institution bekommt, die einen geordneten Staatsbankrott innerhalb der EU abwickeln kann. Der EWF könnte als Schutzschild zwischen dem Kapitalmarkt und der Wirtschaft des bankrotten Euro-Lands fungieren.
Mehr unter:
Focus Money: Finanzmärkte: “Die Inflation wird kommen”
Die Rettung der maroden Banken war sehr teuer für die Industriestaaten. Daher fürchten Investoren als Folge kommende Staatspleiten, v.a. im südeuropäischen Raum. Griechenland wäre dann nur der Anfang gewesen.
Aber auch die stark anwachsende Schuldenlast der USA bereitet den Investoren Sorgen. Die Probleme der Finanzkrise werden noch über Jahre die Märkte beschäftigen, einige Investoren rechnen sogar mit dem schlimmsten.
Mehr dazu unter:
Handelsblatt: „Die finale Krise steht erst noch bevor“
Das Handelsblatt hat mit Douglas Casey, Gründer von Casey Research, ein Interview geführt, in dem er zu Themen wie Inflation, Devisen, Zins- und Börsenentwicklung befragt wurde.
Dabei macht Casey ein paar Interessante ansagen:
Wie werten Sie die explodierenden Staatsdefizite?
Die meisten Regierungen sind bankrott. Die Defizite werden immer häufiger an die Zentralbanken abgegeben und monetarisiert. In den kommenden Jahren erwarte ich horrende Inflation, weltweit.
Mit einer Hyperinflation rechnen ja einige. Casey sieht aber auch das Ende des Euros und der ganzen EU kommen:
Was passiert bei den Währungen?
Die Griechenland-Debatte hat den Euro unter Druck gesetzt. Wo der Boden ist? Der Euro ist eine Esperanto-Währung. Er wird wohl in den nächsten fünf Jahren auseinander brechen, die Europäische Union vielleicht schon in den folgenden fünf Jahren. (…)
Alle großen Währungen haben ernste Probleme. Sie sind im Niedergang, nur die relativen Bewertungen schwanken. Man ist wohl am besten bedient mit dem kanadischen und neuseeländischen Dollar. Gold wird wieder als Währung genutzt werden, es ist wirklich Geld. Das ist die beste Anlageposition.
Solche Aussagen werden die Anhänger vom Gold freuen.
Im weiteren erwartet Casey stark anziehende Zinsen und Renditen an den Anleihemärkten.
Die US-Wirtschaft sieht er in einer frühen Phase einer großen Depression.
Natürlich sieht er auch noch teilweise stark fallende Aktienkurse kommen.
Für Geldanleger empfiehlt er eine “politische Streuung”, d.h. man darf sein Geld nicht komplett in einem Land haben. Dazu rät er zu einem großen Anteil an Edelmetallen. Cash kann man ruhig auch zum Teil bereithalten, um bei sich bietenden Investment-Chancen reagieren zu können.
Quelle:
Handelsblatt: Querdenker Douglas Casey: „Ich erwarte eine horrende Inflation“
Mehr als die Hälfte der Kredite in Spanien sollen von Sparkassen vergeben worden sein. Das bedeutet, kommen sie ins straucheln, ziehen sie ganz Spanien mit hinunter.
Regierung und Notenbank mussten jetzt heftige Kritik dafür einstecken, dass die Restrukturierung der spanischen Sparkassen nur langsam vorangeht. Als Folge davon wird eine Kreditklemme befürchtet, die die Wirtschaftskrise nur noch weiter verstärken dürfte.
Die Sparkassen wurden in Spanien besonders stark von der Immobilienkrise betroffen. Im März 2009 musste die erste Sparkasse aufgrund der Krise schon rekapitalisiert werden.
Mehr dazu unter:
FTD: Spaniens Sparkassen bedrohen das Land
In Georgien kam es gestern zu einer Massenpanik nach einer TV-Show im (wohl regierungstreuen) staatlichen Fernsehen, in der minutenlang von einer russischen Invasion, dem Tod Saakashvilis und einer Rede Obamas berichtetet wurde.
Hier ist die Meldung von Reuters dazu:
Reuters AlertNet: Fake report on Russian tanks sparks panic in Georgia
Man verwendete wohl Archivbilder von 2008. Zuschauer, die den Hinweis auf einen “Hoax” nicht mehr gesehen haben, sind dann in Panik auf die Straße gelaufen, haben Nachbarn, Freunde, Verwandte angerufen etc.
Was sollte wohl diese Aktion? Anscheinend wollte man in der Bevölkerung von der Regierung aus bewusst alte Ängste schüren, für was auch immer.
Hier gibt es noch einen TV-Mitschnitt, wo darüber berichtet wird:
Youtube: Georgian TV aired fake Russian invasion on primetime news
Wie u.a. das Handelsblatt und der SPIEGEL berichten, sollen sich die Euro-Länder auf ein milliardenschweres Hilfspaket für das hochverschuldete Griechenland verständigt haben. Dabei soll die Bundesregierung eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen gespielt haben.
Wie der britische “Guardian” und die französische “Le Monde” berichten, wolle man am Montag in Brüssel über Maßnahmen von bis zu 25 Milliarden Euro beraten, die allerdings nur im Notfall eingesetzt werden sollen.
Mehr unter:
SPIEGEL: EU-Hilfspaket für Griechenland ist fast fertig
Handelsblatt: Griechenland kann auf Hilfe der Euro-Länder zählen
In einem anderen Artikel wird allerdings von der EU-Kommission dementiert, ein milliardenschweres Hilfspaket für Griechenland beschlossen zu haben:
SPIEGEL: EU-Kommission dementiert Bericht über Milliardenpaket für Griechenland
Erst die nächsten Tage werden da wohl endgültige Klarheit bringen.
An dieser Stelle sei auf das sehr interessante Informationsportal über Deutschland und die Globalisierung verwiesen:
Dort findet man u.a. viele interessante Statistiken, Grafiken und Gedanken zur aktuellen Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und auf der ganzen Welt. Spezielles Augenmerk wird auf die Globalisierung und ihre Folgen gelegt.
Der aktuell auf der Homepage veröffentlichte “Rundbrief” (den man auch per E-Mail abonnieren kann), enthält u.a. Artikel zu folgenden Themen:
(1947) Abwrackprämie: Vom Fluch der bösen Tat: Zulassungen minus 30 %
(1946) Auf jeden versicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland entfallen jetzt 61.353,48 Euro Staatsschulden
(1945) Deutschland Negativ-Meister in Bruttolohnentwicklung
(1944) Die Superreichen haben die Krise unbeschädigt überstanden
(1943) Es gibt jedenfalls einen großen Krisengewinnler: China
(1941) Deutscher Export kommt nicht aus dem Krisenkeller
uvm.
Den ganzen Rundbrief findet man hier: http://www.jjahnke.net/rundbr68.html
Am Mittwoch hat das US-Finanzministerium die Daten zum US-Bundeshaushalt für den Februar veröffentlicht.
Danach betrug das US-Haushaltsdefizit im Februar 221 Mrd. Dollar und lag damit 14% höher als im Vorjahresmonat. Die Ausgaben stiegen um 17 % auf 328 Mrd. Dollar, während die Einnahmen zum ersten Mal im Jahresvergleich seit April 2008 wieder anzogen auf 107,5 Mrd. Dollar.
Für das ganze Jahr wird ein Rekorddefizit von 1,56 Billionen Dollar nach einem Minus von 1,42 Billionen Dollar im vergangenen Jahr erwartet.
Schuld für das erneute Rekorddefizit sind dem Weißen Haus zufolge die Rettungspakete des Staates im Kampf gegen die Rezession.
Quellen:
Die Presse.com: US-Defizit erreicht Rekordwert von 220 Milliarden Dollar
RP: Loch im Staatshaushalt der USA erreicht neue Rekordgröße
boerse.de Eilmeldung: US-Haushaltsdefizit beläuft sich im Februar auf 221 Mrd. Dollar
Und wer soll diese Schulden alle bezahlen am Ende? Die Halter der dann wertlosen Staatsanleihen?
