Archiv für April 2010
Gestern gab es in der Sendung “Markus Lanz” (ZDF) eine interessante Diskussionsrunde mit den Gästen Dirk Müller (Mr. Dax, Cashkurs.com), Hans Eichel (ehemaliger Bundesfinanzminister) und Olaf Henkel (ehemaliger Präsident des BDI). Thema der Sendung war u.a. “Griechenland in der Krise – der Euro in Gefahr?”.
Hier kann man sich die Sendung nochmal online ansehen:
ZDF-Mediathek: Die Griechenlandpleite-Panik
Während der Sendung wurden einige interessante Aussagen gemacht.
Olaf Henkel hält eine Umschuldung für die bessere Alternative. Notwendig wäre dafür aber auch ein Austritt Griechenlands aus dem Euro, da sonst so drastische soziale Kürzungen notwendig würden, dass das griechische Volk alles aus Protest blockieren dürfte.
Noch spektakulärer war Henkels Vorschlag, dass als “3. Weg” noch der Ausstieg Deutschlands aus dem Euro und die Wiedereinführung der DM bleibt, den man mindestens mal androhen könnte, wenn Griechenland nicht freiwillig aus dem Euro austritt.
Hans Eichel hielt davon aber nichts, ein Ausstieg Griechenlands oder Deutschlands kommt für ihn nicht in Frage.
Dirk Müller hat auf seiner Homepage auch einen Kommentar geschrieben über die Sendung:
Cashkurs.com: Dirk Müller bei Markus Lanz: “Die Griechenland-Pleite-Panik”
Besonders interessant: Müller weist daraufhin, dass aus “Zeitgründen” leider ein Teil der Diskussion gar nicht ausgestrahlt wurde, in der Hans Eichel und er gemeinsam die Rückkehr zum Vollgeldsystem gefordert hatten. Beide hatten anscheinend gefordert, die Geldschöpfung von den Banken auf den Staat (bzw. dessen Zentralbank) zurückzuführen.
Spanien:
SPIEGEL: Pleitekandidat Spanien – Schluss mit Fiesta
USA:
SPIEGEL: Katastrophe an US-Golfküste – Obama schlittert in die Ölkrise
Welt: “Nationale Katastrophe”: Öldrama bringt US-Regierung in Erklärungsnot
Griechenland:
Handelsblatt: Milliarden-Hilfspaket: Ackermann geht für Griechenland sammeln
FTD: Bankenbeteiligung – Populistischer Unsinn bei der Griechenland-Rettung
SPIEGEL: Freiwillige Finanzspritze – Deutschland AG plant Griechenland-Hilfe
Wie die Tagesschau berichtet [1], ist die Verabschiedung deutscher Finanzhilfen für Griechenland bereits nächste Woche im Bundestag schon gesichert:
SPD, Linkspartei und Grüne erklärten, keine Einwände gegen eine verkürzte Beratungsfrist für das geplante Gesetz im Parlament zu erheben. Ihre Zustimmung zu den Hilfen selbst will die Opposition aber von der Erfüllung von konkreten Bedingungen durch die Bundesregierung abhängig machen.
Man sollte ganz genau hinschauen, was da genau jetzt verabschiedet wird. Ob im “Eilverfahren” Zeit genug da ist, um auch das “Kleingedruckte” zu lesen?
Und es sollte auch genau hingeschaut werden im Rückblick, ob dieses Eilverfahren bewusst provoziert worden ist. Dass Griechenland Hilfe brauchen wird, weiss man ja nicht erst seit heute?
Weiter sollte auch JETZT genau festgelegt werden, wie man auf zukünftige Krisen anderer Länder reagieren wird. Portugal, Spanien und weitere Staaten könnten in Kürze auch die Hand aufhalten. Was dann? Wieder bis zum letzten möglichen Tag warten, um dann im “Eilverfahren” das Gesetz zur Portugal-Hilfe durch Bundestag und -rat zu peitschen?
Andere Seiten gehen ebenfalls mit der Regierung hart ins Gericht:
MMNews schreibt z.B.: “Milliarden für Athen: Sollte die Bundesregierung einer solchen Hilfe zustimmen, so muss sie im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Frau Merkel muss sich dann entweder dieser Vertrauensfrage sofort stellen oder zurücktreten. ” [2]
Und für Infokriegernews ist klar: “In der systematisch durch die Finanzmächte erzeugten Griechenland-Krise zeigen nun die “Parteien” der schwachen Demokratie in Deutschland wieder einmal ihre wahres Gesicht: erneut soll die Berliner Republik zur Ader gelassen und durch die Banken endgültig kalt erwürgt werden.” [3]
Quellen:
[1]: Tagesschau.de: Schnelle Griechenland-Hilfe – Opposition macht Weg frei für Eilverfahren
[2]: MMNews: Merkel gefährdet die Zukunft Deutschlands
[3]: Infokriegernews: Und am Montag Hochverrat
Griechenland:
Handelsblatt: Die Banken sind Griechenlands Achillesferse
FTD: Risikostaaten – Diese Schuldenländer brauchen frische Milliarden (Sorgen über Portugal, Irland aber auch Spanien, Italien und Großbritannien)
Welt: Staatsbankrott – Reiche Griechen bringen ihr Geld ins Ausland
SPIEGEL: Griechenland verschärft seinen Sparkurs
DasGelbeForum: Es brennt lichterloh. Bank Run in GR auf vollen Touren – Gefahr für alle europäischen Banken (Bericht der Userin Gaby – mit Hinweis auf die Gefahr von Bankruns in anderen Ländern wie z.B. Portugal. Werden in einem europäischen Staat die Banken geschlossen, kann alles ganz schnell gehen. Dann sollte sich jeder überlegen, ob er kurzfristig sein Geld noch auf dem Bankkonto liegen lassen will. )
Portugal:
SPIEGEL: Drohender Dominoeffekt – Portugal fürchtet den Panikmarkt
USA:
FTD: Krisenprophet – Roubini sieht USA in Gefahr
Geldanlage:
Handelsblatt: Geld anlegen, aber wo?: Die Antwort lautet: Gold! (Bericht vom European Asset Management Congress, wo Gold und erstklassige Aktien empfohlen wurden)
Banken:
Handelsblatt: Engagement in „Pleitestaaten“: Die milliardenschweren Sorgen der Banken
News-Mix:
SPIEGEL: iTunes App Store – Wie Apple Inhalte zensiert (Darum der ganze Hype? Welcher Kunde steht auf sowas?)
Heise: Innenminister wegen Plädoyer für Websperren in der Kritik (… und das zu Recht)
Telepolis: Bravo, Frau Kanzlerin! Merkel löst Flächenbrand aus (Der Autor sieht das “Wahlkampfgeplänkel” in NRW als Ursache dafür, “dass Griechenland vor der Pleite und Portugal sowie nun auch Spanien vor ernsten Problemen stehen”.)
Spanien:
SPIEGEL: Ratingagentur S&P stuft auch Spanien herab
Portugal:
Handelsblatt: SOS aus dem Armenhaus Europas
Griechenland:
SPIEGEL: Staatspleite-Szenario – Griechen-Krise lässt Weltbörsen taumeln
Handelsblatt: Spitzentreffen in Berlin – Angst vor Flächenbrand drängt Athen-Retter zur Entscheidung
Warum musste es überhaupt soweit kommen, dass man jetzt in Panik reagieren muss?
In der aktuellen Diskussion wird immer wieder die Frage gestellt, wie es nur zur Finanzkrise kommen konnte. Es wird sich beklagt über die Gier der Manager, die Gier der Anleger und Hedgefonds. Aber das allein ist nicht alles, denn die Gier nach möglichst hohen Renditen gab es eigentlich schon immer. Oder hätte man sich früher schon mit weniger als möglich freiwillig zufrieden gegeben?
Im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen gegen Goldman Sachs und anderen Investment Banken kommt jetzt immer mehr ans Tageslicht. Wie Diepresse.com berichtet, gibt es bei den Ermittlungen ein erstes Zwischenfazit [1]:
Die Rating-Agenturen frisierten Bewertungen für Großkunden, und Goldman Sachs verdiente anfangs bestens am Immobilienkollaps.
U.a. wurden E-Mails gefunden, welche die Interessenskonflikte zwischen den größten Ratingagenturen und den Investment Banken offenbaren. Auf den 500 Seiten, die jetzt der Untersuchungsausschuss des US-Kongresses veröffentlicht hat, wird der Druck deutlich, unter dem schon ab 2005 die Ratingagenturen durch den starken Konkurrenzkampf standen. Allem Anschein nach nutzten das ihre Kunden, die Banken, schamlos aus und erpressten möglichst gute Ratings für ihre Finanzprodukte.
Was ein hoher Moody’s-Manager 2007 an seine Vorgesetzten schrieb, ist entlarvend: “Unsere Fehler legen nahe, dass wir entweder bei der Kreditanalyse unfähig sind oder unsere Seele dem Teufel verkauft haben, um mehr Umsatz zu machen – oder beides.”
Auch in den E-Mails von Goldman Sachs wurden die Ermittler fündig. Es konnten eindeutige Hinweise dafür gefunden werden, dass man selbst gegen(!) eigene hypothekenbesicherte Wertpapiere erfolgreich spekuliert und damit “richtig Geld” gemacht hat. So konnte man mit Leerverkäufen mehr Geld verdienen, als man durch die Hypotheken-Krise verloren hat.
Und in einer Mail des Finanzvorstands David Viniar vom Dezember 2006 heisst es: “Lasst uns die Dinge aggressiv verteilen, also das Risiko verringern, denn der Markt wird noch stärker in Not geraten – und von den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, wollen wir profitieren.”
Man kann gespannt sein, welche oder ob überhaupt juristische Konsequenzen aus diesen Vorgängen den Verantwortlichen drohen werden.
Quellen:
[1]: DiePresse.com: E-Mails enthüllen Wahrheiten über die Bankenkrise
Landtagswahl in NRW:
Telepolis: Alle Optionen offen in NRW
Portugal:
Handelsblatt: Kreditwürdigkeit Portugals und Griechenlands im freien Fall
FTD: Herabstufung von Portugal und Griechenland erschüttert Märkte
Griechenland:
Handelsblatt: Geheimgespräch geplant: Griechenland-Hilfe spaltet deutsche Regierung
FTD: Zögerliche Hilfe – Pleiteangst treibt Griechenzinsen auf 15 Prozent
Welt: Kreditwürdigkeit – Griechenland kann kein Geld mehr aufnehmen
Goldman Sachs:
SPIEGEL: US-Abgeordnete fordern Ausweitung der Goldman-Ermittlungen
FTD: Betrugsvorwurf – Goldman-Banker gibt sich kämpferisch
Afghanistan-Krieg:
SPIEGEL: Afghanistan-Debatte – Die schmutzige Wahrheit
Internet-Sperren:
Heise.de: EU-Innenpolitiker hinterfragen Vorstoß zu Websperren
Krieg:
Hintergrund.de: Guttenberg stimmt auf künftige Militärinterventionen der Bundeswehr ein (Weiss er schon, wo es hingeht?
Vgl. auch: Youtube – Trauerfeier Selsingen – Rede von Verteidigungsminister Guttenberg: Teil 1 und Teil 2 )
Goldman Sachs:
FTD: Vorladung vom Senat – Goldman-Chef Blankfein vor Spießrutenlauf
Griechenland:
Handelsblatt: Griechischer „Hair-Cut“ birgt große Gefahr für die Banken
FTD: Merkel stellt Griechen Bedingungen
Blick Log: “Rettung” Griechenlands kostet Deutschland höchstens 500 Mio. Euro (Anm.: Aber nur im Idealfall?)
Aktien:
Handelsblatt: Charttechniker: „Eine drastische Korrektur steht bevor“
Euro:
Handelsblatt: Währungsunion – Die richtige Nagelprobe für die Euro-Zone kommt erst 2011
Japan:
Währungsreform:
Aerzteblatt.de: Börsebius: Kommt die Deutsche Mark wieder?
Griechenland:
Gegenfrage.com: Die PIGS sind eigentlich die “PIGSBISGULIWURM”
Handelsblatt: Das Hilfspaket könnte erst der Anfang sein
FTD: Schäuble lässt Griechen zappeln
SPIEGEL: Griechenland braucht noch mehr Geld
Telepolis: Deutsche Ökonomen und die Griechenlandkrise
Großbritannien:
Handelsblatt: Wirtschaft enttäuscht sogar Pessimisten (nur 0,2% Wachstum im ersten Quartal)
USA:
Gaertner’s Blog: US-Firmen nutzen vermehrt Kunstgriff zur Befreiung von Immobilienschulden
Wirtschaftsfacts.de: US-Metropolen: Freier Fall setzt sich fort
Eine interessante Entwicklung kann man die letzten Tage beobachten. Es melden sich auf einmal immer mehr Politiker, die einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone fordern.
So hat gerade erst die FDP den Griechen den Euro-Austritt empfohlen:
Handelsblatt: FDP legt Griechen Euro-Austritt nahe
Frank Schaeffler (FDP) wurde die Tage von Michael Mross (mmnews.de) interviewt und meinte zum Ende des Gesprächs hin:
“Das beste Rezept für Griechenland ist, dass es aus der Währungsunion austritt, freiwillig austritt, seine Währung abwertet und sich mit seinen Gläubigern über ein Moratorium seiner Schulden verständigt. Das ist die einzige Lösung. Sie wird auch kommen, die Frage ist nur, zu welchem Zeitpunkt. (…)
Ich glaube, dass es sowohl ökonomisch als auch rechtlich falsch ist, Griechenland zu helfen. Rechtlich sagen die Verträge klar, dass man nicht helfen darf. Und ökonomisch lösen die kurzfristigen Darlehen, die man Griechenland in Aussicht stellt, nicht deren Problem.”
Youtube: Frank Schaeffler FDP zu Geldsystem und Griechenland
Und jetzt kommen ähnliche Forderungen aus den Reihen der CSU:
RP: CSU schlägt Austritt Griechenlands aus Währungsunion vor
