Wie die Financal Times Deutschland [1] heute vorrechnet, ist die Mittelschicht weit weniger vom Absturz ins Arbeitslosengeld II betroffen, als dort befürchtet wird.

Hartz IV betrifft die Mittelschicht fast überhaupt nicht: Gerade einmal 0,3 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II verdienten bei ihrem letzten Arbeitgeber mehr als 3000 Euro brutto im Monat. Und gar nur jeder 1000. kam auf wenigstens 3500 Euro, wie eine noch unveröffentlichte Berechnung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt. Der Durchschnittslohn von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland liegt bei 3100 Euro.

Na dann ist ja alles gut, da werden ja z.B. die ganzen „Mittelschichtler“ jenseits der 45-Jahresgrenze nun aufatmen können. Genauso wie die „gefühlte“ Inflation scheint auch der Eindruck, dass die Mittelschicht vom sozialen Abstieg bedroht ist, völlig „falsch“ zu sein, jedenfalls wenn man nach diesem Artikel geht.

Zwar stammt die Stichprobe der IZA-Berechnung aus dem Jahr 2007, weil jüngere Daten noch nicht vorliegen. Trotz der Zeitverzögerung seien die Zahlen aber ein verlässlicher Indikator, urteilt das Institut: „Ehemalige Mittel- und Gutverdiener sind bei Hartz IV ein absolutes Randphänomen“, sagte IZA-Arbeitsmarktdirektor Hilmar Schneider dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Naja, 2007 oder 2008 oder 2009… Sowas wäre ja nur von Belang, wenn wir gerade in einer schweren Wirtschaftskrise wären…

Bereits unter den Beziehern von Arbeitslosengeld I sind Besserverdiener eine kleine Minderheit. Eine interne Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt: Weniger als acht Prozent der Menschen, die Ende des abgelaufenen Jahres die Leistung bezogen, erzielten in ihrem letzten Job ein monatliches Salär zwischen 3000 Euro und 4000 Euro brutto. Nur jeder 20. lag darüber.

Schön, dass die Besserverdienenden, die für Notfälle oft auch was auf der „hohen Kante“ haben, aus ihrer hohen Höhe keinen Absturz durch Hartz4 zu befürchten haben.

Dennoch ist die Furcht der Mittelschicht durchaus berechtigt, wenn man die Prognosen für die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung mit einbezieht. V.a. für ältere Arbeitnehmer erhöht sich hier der Druck, unbedingt eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden, um nicht nach 12 Monaten in Hartz4 zu rutschen. Dass dies bis 2007 für gut ausgebildete Fachkräfte, besonders in jüngeren Jahrgängen, überhaupt keine Rolle spielte, hilft den heute von Hartz4 bedrohten kein Stück weiter.

Quelle:
[1]: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:neue-berechnung-mittelschicht-von-hartz-iv-kaum-betroffen/50075322.html


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