Gerade zwei Wochen, nachdem sich die europäischen Regierungschefs auf einen Nothilfsplan für Griechenland geeinigt haben, verlieren die Märkte erneut das Vertrauen in Griechenland. Nachdem die Griechen Medienberichten zufolge Korrekturen am Rettungsplan seitens der EU gefordert haben, verkaufen Investoren wieder vermehrt griechische Staatsanleihen.

Die Kurse der drei großen Bonds, die die Regierung in Athen seit Januar herausgegeben hat, sind schon unter ihre Ausgabepreise gefallen. So wird es für das Land immer schwerer, seine Schulden über neue Staatsanleihen zu refinanzieren. Immerhin 32 Mrd. Euro muss Griechenland dieses Jahr noch an den Bondmärkten platzieren.

Weil die Nachfrage nach neuen griechischen Anleihen schon zuletzt spürbar zurückgegangen ist, suchen die Griechen jetzt anscheinend nach neuen Investoren. Regierungsvertreter wollen angeblich in zwei Wochen mit einer Roadshow in den USA auf Tour gehen, um fünf bis zehn Milliarden Dollar einzusammeln.

Quelle:
Handelsblatt: Märkte verlieren das Vertrauen in Griechenland

Gleichzeitig geraten griechische Banken an zwei Fronten so langsam  in Bedrängnis. Während sie zuletzt vermehrt in griechische Staatsanleihen investierten und von deren Kursverläufen abhängig sind, scheint jetzt die Bevölkerung ihr Vertrauen in die Regierung und das Finanzsystem soweit verloren zu haben, dass sie ihre Ersparnisse im großen Stil von ihren Bankkonten abheben.

Im Januar und Februar hoben sie nach Zahlen der heimischen Notenbank unter dem Strich acht Milliarden Euro von ihren Konten ab. Das entspricht vier Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. „Solche Aktionen kennen wir normalerweise nicht aus Industriestaaten, sondern nur von Bankenkrisen in Schwellenländern wie Argentinien“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank, die das Phänomen in einer Studie beleuchtet. Die Griechen hätten ihre Einlagen erstmals seit dem Beitritt zur Währungsunion vor knapp zehn Jahren reduziert.

Wenn sich das schwindende Vertrauen in Panik verwandelt, kann es zu einem regelrechten Bankrun kommen. Und dann droht in Kürze die Insolvenz von griechischen Banken. Und die Griechen können wohl kaum ihre Finanzinstitute so auffangen, wie das z.B. in Deutschland geschehen ist. Eine verheerende Kettenreaktion kann die Folge sein und der worst case des Staatsbankrotts schneller eintreten, als viele befürchtet haben.

Quellen:
Sueddeutsche.de: Banken in Bedrängnis – Griechen plündern ihre Konten
FTD: Griechenland-Angst erreicht neuen Höhepunkt


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