Im Interview mit Focus Money erklärt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, warum Athen den Euro eine zeitlang abgeben sollte, woher Hilfe kommen kann und warum Deutschland erpressbar ist:
Focus Money: „Das Griechen-Drama wird schrecklich enden“

Sinn hält die Lage in Griechenland für dramatisch. Es gibt nicht nur ein großes Loch im Staatshaushalt sondern auch ein großes Defizit im Außenhandel. Allein im Jahr 2008 betrug dieses Defizit 38 Milliarden Euro oder 16 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Für Sinn handelt es sich hier um eine griechische Tragödie. Für den Ausgang sieht er drei Möglichkeiten.

1. Man schenkt Griechenland das benötigte Geld einfach.

2. Griechenland geht in eine scharfe Depression mit sinkenden Preisen und Löhnen, bis es seine Wettbewerbsfähigkeit wieder erhöht hat.

3. Griechenland tritt aus dem Euro aus, führt eine eigene Währung ein und wertet diese ab, wobei gleichzeitig ein Schuldenmoratorium erklärt wird.

Die erste Variante hält Sinn aber für nicht praktikabel, da man dann in Kürze weitere Staaten auf die selbe Weise finanziell stützen müsste. Griechenland ist ja nicht das einzigste Land in der EU, das in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Aber auch die zweite Möglichkeit sei schrecklich, das könnte das Land bis an den Rand des Bürgerkrieges führen. Soziale Unruhen hat man dort ja auch schon gesehen.

Aber auch die dritte Variante, an die anscheinend für Sinn kein Weg vorbei führt, wäre schlimm. Die Euro-Zone würde nicht nur ein Mitglied verlieren, es müssten natürlich auch alle Gläubiger Griechenlands zum Teil ihre Forderungen komplett abschreiben. Allein die deutschen Banken sollen aktuell 32 Milliarden Euro an griechischen Staatspapieren halten.

Interessant ist auch diese Aussage von Sinn:
„Man muss allerdings schnell und überraschend handeln, auf der Basis von Bilanz- und Vermögenspositionen eines bereits zurückliegenden Zeitpunktes. Der Internationale Währungsfonds (IWF), dem ich die akute Rettung Griechenlands anvertrauen würde, hat viel praktische Erfahrung, wie so etwas zu geschehen hat. (…)
Für den IWF spricht auch, dass es so oder so erhebliche Proteste in Griechenland geben wird, wenn man dem Land nicht immer wieder mit Geschenken hilft. Es ist besser, wenn sich der Zorn gegen den IWF richtet als gegen uns.“

Es kann also im Zweifel ganz schnell gehen, von heute auf morgen, vielleicht auch über ein paar Feiertage, wo die Geschäfte und Banken geschlossen haben?

Gerüchte, es könnte bald einen Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum geben, gibt es schon länger und wird in verschiedenen Foren diskutiert.
Vgl. z.B. hier:
DasgelbeForum: Gewagte (?) These: Griechenland wird über Ostern auch den Euro abgeben


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