Heute gibt es auf SPIEGEL Online ein Streitgespräch zwischen den Wirtschaftswissenschaftlern Peter Bofinger und Stefan Homburg über die aktuelle Euro-Krise und Auswege daraus. [1]

Stefan Homburg vertritt dabei die Position des Euro-Kritikers, Peter Bofinger die des Euro-Befürworters.

Die Argumente sind dabei von beiden Seiten bekannt. Homburg würde am liebsten einen „Schlussstrich ziehen“ und zur alten D-Mark zurückkehren.

Bofinger dagegen hält einen Ausstieg aus dem Euro für unverantwortlich. Der Euro sei ein Erfolgsmodell und müsste jetzt über mehr wirtschaftliche Integration erhalten werden. Er plädiert für die Einführung von gemeinsamen Staatsanleihen für die Euro-Zone (Euro-Bonds), um die Zinskosten für Länder wie Griechenland oder Irland zu drücken.

Homburg verweist an der Stelle aber auf den Maastricht-Vertrag, der solche Euro-Bonds nicht zulässt.

Im weiteren kommen von Bofinger die von der Regierung schon bekannten Argumente: Man müsse den anderen Staaten helfen, weil sonst das Bankensystem komplett crashed. Es ist im Grunde ‚alternativlos‘, da man die Banken nicht isoliert in die Insolvenz schicken könne usw.

Für Bofinger sind Euro-Bonds auch kein Einstieg in die Transferunion, worauf Homburg aber widerspricht. Nach Berechnungen von Ökonomen würde der Zinssatz der Euro-Bonds rund eine Prozent über dem einer Bundesanleihe liegen. Das würde zu einer Mehrbelastung von 20 Milliarden Euro pro Jahr für den Bundeshaushalt führen, was dann wieder Steuererhöhungen nach sich ziehen würde. Außerdem entstehen durch die Bonds eine Haftungsgemeinschaft zu Lasten Deutschlands.

Grundsätzlich ist die Argumentation der beiden Kontrahenten nicht neu. Allerdings wird hier nochmal deutlich vor Augen geführt, welche Position die Bundesregierung (bisher jedenfalls) verfolgt: die Verteidigung des Euro, um welchen Preis auch immer. Bisher wird also die Strategie verfolgt, die hier Bofinger so vehement verteidigt. Und man sieht in dem Gespräch auch klar, wo das ganze hinführen wird, wenn diese Strategie nicht geändert wird: zu einer Transferunion in Europa, zu Lasten der wenig gebliebenen starken Länder, v.a. Deutschland.

Es bleibt zu befürchten, dass die meisten Regierungen in Europa sich bis zum bitteren Ende an den Euro klammern werden, denn er ist nun mal ihrer Meinung nach „alternativlos“. Wenn es dann doch nicht mehr funktioniert, trotz Rettungsschirm, trotz Euro-Bonds, trotz Transferunion und Haftungsgemeinschaft, wird die ‚Fallhöhe‘ um so höher sein als wenn man rechtzeitig auf die mahnenden Stimmen der Kritiker gehört hätte. Denn wie sagt hier Homburg so richtig:“Wenn wir am Euro festhalten, gibt es einen Schrecken ohne Ende. Ich plädiere für ein Ende mit Schrecken, also ein Ende des Währungsexperiments. Europa würde dadurch befriedet und unter dem Strich besser fahren.“.

Quelle:
[1]: SPIEGEL: SPIEGEL-Streitgespräch: „Schrecken ohne Ende“


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