Der SPIEGEL hat mit Thomas Mayer, seit Anfang 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ein Interview geführt, in dem Mayer Stellung nimmt zur Griechenland-Krise und möglichen Rettungsszenarien.

Für Mayer ist der Umgang mit der Griechenland-Krise die große Bewährungsprobe für die Währungsunion. Er warnt vor einer leichtfertigen Rettungsaktion für Griechenland, das könnte das Zerbrechen der Währungsunion zur Folge haben.

Vgl.
SPIEGEL: „Griechenland ist die Bewährungsprobe“

Mayer sagt u.a.:

„Der Stabilitätspakt fordert, dass die Länder selbst mit ihren Haushaltsproblemen fertig werden. Wenn wir diesen Grundsatz vernachlässigen, ist das gefährlich für die Akzeptanz der Europäischen Währungsunion besonders in Deutschland.“

„Man schafft einen Präzedenzfall. Sofort hätten die Regierungen anderer Länder auch das Gefühl: Im Notfall können wir in Berlin anklopfen und ein paar Milliarden abrufen. Der Umgang mit der Griechenland-Krise ist deshalb eine Bewährungsprobe, er wird bestimmen, wie es mit dem Euro weitergeht.“

„Wir dürfen auf keinen Fall auf eine Transferunion hinsteuern, in der die starken Länder die weniger starken finanziell permanent stützen. Sonst wird die Akzeptanz für den Euro in der Bevölkerung schnell schwinden. Die Währungsunion könnte daran mittelfristig zerbrechen.“

Mayer befürchtet auch, dass bei Scheitern der Hilfen seitens des IWF ein „ungeordneter Bankrott“ Griechenlands droht. Folge wären Kosten von bis zu 40 Milliarden Euro allein für die deutsche Finanzbranche. Dann wäre die Finanzkrise II endgültig da.

Daher spricht er sich für einen Europäischen Währungsfond aus, der im schlimmsten Fall einen Staat wie Griechenland in eine geordnete Insolvenz führen könnte.

Von Forderungen nach einer europäischen Wirtschaftsregierung hält Mayer nicht viel. Er verweist auf die fehlgeschlagenen Pläne vom Jahr 2000, Europa binnen eines Jahrzehnts zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Das hätte ja auch nicht funktioniert.

Für das Jahr 2010 ist Mayer dafür ziemlich optimistisch. Für die Weltwirtschaft erwartet er ein Wachstum von 4,25 %, allein Chinas Wirtschaft soll um weitere 10 % zulegen. Und da Deutschland in diesen Märkten gut aufgestellt sei, ist auch hierzulande ein Wirtschaftswachstum von 2 % drin.


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