Nach den wütenden Protesten auf den zyprischen Straßen hat sich das Parlament nicht mehr getraut und die Zwangsabgabe für Bankkunden abgelehnt. Jetzt verhandelt der zyprische Finanzminister Sarris in Moskau über ein Hilfspaket von Russland.

Der mit der EU ausgehandelte Kompromiss für weitere Hilfszahlungen ist im Parlament Zyperns gescheitert. Damit hat sich auch gezeigt, dass man nicht einfach so über die Köpfe der Bevölkerung hinweg von außen die Bedingungen diktieren kann, zu denen man noch weitere Finanzhilfen bewilligt.

Denn die Politiker vor Ort wollen ja auch bei späteren Wahlen wiedergewählt werden, da konnte man sich jetzt zu so einer unpopulären Entscheidung nicht durchringen. Allerdings stellt sich auch die Frage, warum man überhaupt so einen Kompromiss mit der EU aushandelt, wenn man am Ende gar nicht den Mut hat, diesen Beschluss auch zur Not gegen den Wählerwillen durchzusetzen.

Hat man den Widerstand in der Bevölkerung unterschätzt? Oder wollte man genau diesen Widerstand erstmals antesten? Auch die Finanzminister der Eurogruppe hätten eigentlich wissen müssen, dass zumindest die Gefahr besteht, dass der Kompromiss im Parlament Zyperns scheitert. Und dass man mindestens mal für massive Verunsicherung an den Finanzmärkten und unter den Sparern europaweit, mindestens aber in den südeuropäischen Krisenstaaten sorgt.

Für die Süddeutsche ist die Flucht in die „Arme Russlands“ allerdings auch keine gute Lösung. Dann sei zu befürchten, dass Moskau Zypern zu seinem „Vasallen“ macht. Die Frage ist allerdings, was hätte eigentlich die EU aus Zypern gemacht? Was wäre passiert, wenn am Ende eine „Schulden-Troika“ aus Brüssel nach Zypern geschickt worden wäre, um dort mal richtig alles „gesundzusparen“?

Quellen:
Spiegel: Gescheiterte Zwangsabgabe: Showdown bei der Zypern-Rettung
Sueddeutsche: Flucht in Russlands Arme


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