Artikel-Schlagworte: „Bankenrettung“

Wird jetzt Zypern tatsächlich Vorbild für weitere Rettungsaktionen im übrigen Europa? Die Pläne von EU-Kommissar Barnier klingen jedenfalls sehr danach. Immerhin ist der normale Sparer außerhalb Zyperns jetzt rechtzeitig gewarnt und kann entsprechend reagieren.

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In der 52 minütigen Dokumentation geht Harald Schumann der Frage nach, wohin unsere Steuergelder bei den ganzen Bankenrettungen hinfließen. Wer rettet wen und könnte man Banken evtl. auch doch pleite gehen lassen?

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Lars Schall interviewte den Bestseller-Autor Marc Friedrich („Der größte Raubzug der Geschichte“, Tectum) zum Thema Zypern. Für Friedrich ist die vereinbarte Lösung für die Rettung Zyperns verheerend für das Land und das allgemeine Vertrauen aller Anleger.

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Leonhard Fischer saß schon mit 36 Jahren im Vorstand der Dresdner Bank, wechselte dann in die Schweiz, sanierte erfolgreich die Winterthur Versicherung und wurde sogar als Kandidat für den Chefposten der Credit Suisse gehandelt.

Jetzt ist er 46 und hielt in einem Frankfurter Hotel vor 100 Kunden der Quirin Bank einen Vortrag über die aktuelle Finanzkrise. Dabei schien er seinem Publikum die Illusion von einem dauerhaften Wohlstand nehmen zu wollen:“Wir leben bereits seit 20 Jahren über unseren Verhältnissen. Ich weiß, das ist eine Mindermeinung, aber wir haben einen katastrophalen Fehler gemacht, als wir Banken retteten.“

Aufgrund seiner Vergangenheit sollte man davon ausgehen, dass Leonhard Fischer weiss, wovon er da spricht.

Im Jahr 2008 habe die westliche Welt entschieden, sich mit viel Geld aus der Krise einfach herauszukaufen, sagt Fischer. „Die Pleite einer Bank wurde mit dem Ende der westlichen Zivilisation gleichgesetzt.“ Nach der US-Investmentbank Lehman Brothers durfte keine andere Adresse mehr fallen. Für Fischer keine Lösung: Mit steigenden Staatsschulden zögere man die überfällige Anpassung an die längst zu beobachtenden fundamentalen Veränderungen in der Welt lediglich hinaus.

Irgendwann müssen die Karten (Staatsschulden) auf den Tisch gelegt werden. Und spätestens dann wird auch jemand bezahlen müssen, entweder über eine massive Geldentwertung (Inflation) oder über sehr schmerzhafte Einschnitte und Sparmaßnahmen (Deflation). Was von beiden sich wahrscheinlich durchsetzen wird, konnte Fischer auch nicht genau vorhersagen. Aber der dritte Weg, eine Rettung über ein kräftiges langes Wirtschaftswachstum, ist für ihn in naher Zukunft nicht in Sicht.

Als Schlussfolgerung daraus empfiehlt er den Anlegern, in den nächsten Jahren nur noch zu versuchen, den erreichten Wohlstand zu sichern. Das allein wäre schwer genug.

Richtig interessant wird es dann, als Fischer auf die angeblich freien Kapitalmärkte zu sprechen kommt:

Und dann räumt Fischer noch mit Mythen auf, die von Banken in der Vergangenheit allzu gern verbreitet und von den Sparern allzu gern geglaubt wurden. Das fange mit den angeblichen freien Kapitalmärkten an. „Sie investieren ihr Geld nicht an freien, sondern an manipulierten Märkten.“ Keiner solle glauben, dass es ein freies Spiel von Angebot und Nachfrage gebe. „Das existiert nicht.“ Und es existiere vor allem seit 2008 nicht mehr, seit die Notenbanken mit riesigen Summen Anleihen kauften und so die Preise entscheidend mitbestimmten.

Auch Aussagen, dass Aktienkurse langfristig steigen müssten, wären falsch. Es gäbe real immer wieder Schwankungen nach oben und unten. Nur bei realem Wirtschaftswachstum könnten Aktien auch dauerhaft steigen. So wie es in der Vergangenheit ja auch geschehen ist.

Ebenfalls widersprach Fischer der Idee, dass aus Geld noch mehr Geld zu machen sei, ohne dass dahinter irgendein produktiver Prozess stehe. Geld kann nicht mehr reales Geld produzieren, nur die Realwirtschaft kann das.

Da spielt Fischer wohl auf die Blasenbildung an den Kapitalmärkten an, bei denen riesige virtuelle Summen sich in einzelnen Bereichen angesammelt haben, ohne dass dieser Wirtschaftszweig entsprechend auch real gewachsen ist. Und irgendwann ist dann das Platzen der Blase vorprogrammiert, es ist bildlich formuliert eben nur „heisse Luft“.

Immerhin ist Leonhard Fischer trotzdem noch in der Finanzbranche tätig. Zur Zeit leitet er die Beteiligungsgesellschaft RHJ International (u.a. Mitbieter beim Verkauf von Opel) und hält 20% Anteile an der Quirin Bank.

Quelle:
Welt: „Die Bankenrettung war ein katastrophaler Fehler“

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