Artikel-Schlagworte: „Freiheit“

Es ist interessant, wie teilweise die Massenmedien mit „Leitartikeln“ auf die aktuellen Veröffentlichungen von Wikileaks reagieren.

Welt Online schießt heute in seiner Online Ausgabe schon zum zweiten Mal gegen Wikileaks. Zuerst fand Autor Michael Stürmer nichts, was die Wikileaks-Enthüllungen rechtfertigen würde. [1]

Und jetzt schreibt Clemens Wergin „Wikileaks stößt das Tor zu regelloser Anarchie auf“.[2] Denn:“Tatsächlich ist eine Gesellschaft ohne Privatheit totalitär.“. Für Wergin rückt Wikileaks die „dunkle Seite des Netzes in den Fokus“. Durch die Veröffentlichungen wäre die Freiheit des vertraulichen diplomatischen Gesprächs zerstört worden.

Was an den Kritiken durchaus richtig ist: Wikileaks veröffentlicht hier an Masse sehr viel, was eigentlich nicht in die Öffentlichkeit bzw. was eher in die Rubrik „Klatsch und Tratsch“ gehört. Andererseits muss man sich natürlich auch entscheiden, ob man nur eine persönliche Auswahl an Dokumenten freigibt oder alle. Aber wurden hier wirklich ALLE Dokumente geleaked (oder werden sie es noch in den nächsten Wochen und Monaten)? Wer kann das beurteilen?

Besonders störend sind jetzt aber bei teilweise vielleicht berechtigter Kritik der Frontalangriff auf die neue Transparenz in der Politik, die auch durch diese Veröffentlichung geschaffen wird. Natürlich kann es nicht sein, dass jetzt in Zukunft jedes Diplomaten- oder Politikergespräch frei im Internet nachzulesen ist. Aber gerade heutzutage wäre für die Politik mehr Transparenz dringend erforderlich. Wikileaks schießt hier vielleicht über das Ziel hinaus, darüber ließe sich streiten. Aber das ändert nichts an den Vorteilen eines möglichen transparenteren Systems.

Wikileaks kann da viel Aufmerksamkeit erzeugen, kann aufregen und wichtige Vorgänge aufdecken. Eine Verbesserung des Systems bewirkt das allein noch nicht. Auch sollte man nicht vergessen, Wikileaks selbst kritisch zu beobachten. Auch von Seiten der unabhängigen Medien vermehren sich die Stimmen, die v.a. Julian Assange kritisch sehen.

Man muss jetzt genau aufpassen, dass diese großen Veröffentlichungen von Wikileaks am Ende nicht zu einem Bumerang für die Freiheit werden. Wenn man gewisse Kommentare unter den Artikeln liest, bekommt man allerdings den Eindruck, dass man vielen Lesern da nichts mehr vormachen kann.

Quellen:
[1]: Welt: Nichts kann die Wikileaks-Enthüllungen rechtfertigen
[2]: Welt: Wikileaks stößt das Tor zu regelloser Anarchie auf

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