Artikel-Schlagworte: „Kurzarbeit“

Es ist immer wieder interessant, was für unterschiedliche Ansichten eines zentralen Problems veröffentlicht werden. Heute: die Massenarbeitslosigkeit.

Dank der offiziell verkündeten immer noch relativ gemäßigten Arbeitslosenzahlen beginnt nun das Manager Magazin zu jubeln:

Ein bisschen schlechter, aber alles andere als eine Katastrophe: Die Zahl der Arbeitslosen steigt in Deutschland. Aber nur leicht. Trotz frostiger Dauerwinterzeit, trotz kränkelnder Euro-Partnerstaaten. Jetzt haben Deutschlands Arbeiter und Angestellte Einmaliges unternommen, damit es so bleibt. (…)

Mehr unter:
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,680098,00.html

Natürlich ist es erfreulich, dass wir bisher nur einen moderaten Anstieg der Arbeitslosenzahlen haben. Aber deswegen gleich das Ende der Massenarbeitslosigkeit für Deutschland auszurufen, ist doch arg beschönigt.

Will da jemand gute Laune verbreiten? Oder die gemäßigten Lohnabschlüsse loben?

3,44 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben mit ihren Unternehmensvertretern in der vergangenen Woche einen einmaligen Pakt geschlossen: Sie verzichten für etwa zwölf Monate auf Lohnerhöhungen. Von kleineren Einmalzahlungen abgesehen sollen ihre Gehälter frühestens im April 2011 um maßvolle 2,7 Prozent steigen.

Und das alles schafft schon die Massenarbeitslosigkeit ab? Das ist ja toll…

Zugleich nehmen die Beschäftigten auch noch Abstriche beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld hin; sie werden es im Kurzarbeitsfall künftig nicht mehr in der bisherigen vollen Höhe erhalten. Das alles im Gegenzug für eine Jobgarantie ihrer Unternehmen.

Diese Garantie steigert die Chance, dass sich die bisher zurückgestaute, kalte Flut der Massenarbeitslosigkeit in diesem Jahr doch nicht über Deutschland ausbreiten wird. Schließlich haben gerade die Tausenden Industriebetriebe in der Bundesrepublik von den bestehenden Kurzarbeitregeln in den vergangenen Monaten mit Erfolg Gebrauch gemacht – und deren Nutzung wird jetzt attraktiver. Wenn auch zulasten der Steuerzahler, die für die neuerliche Kostenverbesserung der Unternehmen geradestehen müssen.

Kurzarbeit – das ist das entscheidende Stichwort. Nur darüber ließ sich bisher ein Ausufern der Arbeitslosenzahlen verhindern. Die Frage ist nur, wie lange funktioniert das noch? Wie oft wird man die Kurzarbeit noch verlängern? Was kommt danach?

Und was die Massenarbeitslosigkeit angeht: Hier sollte man auch berücksichtigen, dass bei den offiziell arbeitslos gemeldeten Personen eine Menge nicht mitgerechnet werden, die im Prinzip auch ohne Job, zumindest aber ohne reguläre Arbeitsstelle sind. Wer eine Fortbildungsmaßnahme laufen hat, wer in einem „1-Euro-Job“ arbeitet usw., der wird ja schon längst nicht mehr mitgezählt. Ein Teil, der inzwischen aus der Arbeitslosenstatistik rausgefallen ist, arbeitet auch nur Teilzeit und muss aufgrund zu geringen Einkommens seinen Lebensunterhalt teilweise über Hartz4-Geld bestreiten.

So oder so, ohne einen massiven Wirtschaftsaufschwung, der die aktuellen konjunkturellen Verluste die nächsten Jahre wieder aufholt, wird es für alle – Arbeitslosenquote, öffentliche Haushalte, Unternehmen, … – extrem schwer werden. Da hilft positives Denken allein auch nicht mehr.

NACHTRAG:
Hier kann man direkt die veröffentlichten aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ansehen:

http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000100/html/monat/201002.pdf

Themen
Eingetragen bei:
Kalender
November 2017
M D M D F S S
« Apr    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  
News Feed