Alessio Rastani, ein unabhängiger Investment-Trader, wurde von der BBC zu seiner Einschätzung der aktuellen Lage an den Märkten befragt. Seine Aussichten sind düster: die Rettungspläne für den Euro werden scheitern, egal wieviel Geld da noch reingepumpt wird.

Seiner Meinung nach kann dieses Problem nicht gelöst werden. Stattdessen ist er davon überzeugt, dass ein Euro-Crash kommen wird.

Im Moment werden die Märkte von Furcht beherrscht. Das “smart money”, die institutionellen Anleger usw. kaufen den Rettungsplan nicht ab. Sie wissen einfach, der Markt, der Euro, ist am Ende.

Daher bringen sie ihr Geld lieber in Sicherheit. Daher wird das ganze definitiv nicht funktionieren.

Persönlich sieht Rastani die Lage sehr nüchtern. Er würde auch versuchen, sein Geld mit dem Crash zu verdienen. Er bzw. die Trader allgemein kümmern sich nicht darum, wie man die Schulden- oder Wirtschaftskrise lösen kann. Ihr Job ist es nur, Geld zu verdienen, egal mit was.

Das klingt erstmal natürlich nach dem “bösen gierigen Spekulanten”, macht aber wahrscheinlich seine Analyse kein Deut unrealistischer. Außerdem sieht er nicht nur die Gefahren in dem bevorstehenden Crash, sondern auch die Chancen. Jeder könnte theoretisch versuchen, aus dem Crash seinen Vorteil zu ziehen, nicht nur die “Eliten”.

V.a. aber sollte man sich auf den Crash vorbereiten. Man sollte seine “Assets” absichern. Innerhalb von 12 Monaten rechnet Rastani damit, dass Millionen von (unvorbereiteten) Anlegern ihr Geld verlieren werden. Und das ist erst der Anfang, seiner Meinung nach.

Auch bezeichnend ist sein Hinweis, nicht die Regierungen beherrschen die Welt sondern Goldman Sachs.  Daher sollte man sich auf den Crash vorbereiten und nicht nur darauf hoffen, dass die Regierungen die Krise schon irgendwie überwinden können.

Hier geht es direkt zum Interview (Video):
http://www.bbc.co.uk/news/business-15059135

Update:

Mittlerweile berichten die Medien, Rastani wäre gar kein hauptberuflicher Trader. Er selbst soll sogar im Interview zugegeben haben, dass er einfach gerne redet und in der Öffentlichkeit auftritt. Das traden wäre mehr ein Hobby.

Davon abgesehen wird aber seine geäußerte Einschätzung der Lage an den Märkten von anderen Tradern teilweise bestätigt, z.B. hier.

Das hält Welt Online aber nicht davon ab, Rastani als Hochstapler zu beschimpfen. Dabei hat selbst die BBC – wie auch im Screenshot zu sehen – ihn als “independent trader” bezeichnet. Independent heisst ja unabhängig – also nicht nur ein Vertreter einer bekannten Investmentbank. Und da er nicht mal offiziell als “Börsenhändler” gelistet ist, ist er jetzt ein Hochstapler? Und was ist mit der BBC? Die hat ihn doch zum Interview eingeladen und ihn um seine Einschätzung gebeten.  Hätten die gewusst, dass es sich nur um einen “Kleinanleger” handelt, hätten die ihn vielleicht gar nicht erst eingeladen. Dabei ist das Ergebnis aufschlussreicher geworden, als wenn man einen Vertreter z.B. von Goldman Sachs interviewt hätte. Immerhin hat er im Gegensatz zu seinen “professionellen Kollegen” kein Blatt vor den Mund genommen und die Lage so beschrieben, wie sie ist.


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2 Kommentare zu „Unabhängiger Trader im BBC-Interview: Die Euro-Rettungspläne werden nicht funktionieren“

  • admin sagt:

    Moralisch ist das sicher bedenklich, daraus noch seinen Profit ziehen zu wollen.

    Immerhin rät er andere dazu, sich auf den Crash vorzubereiten. Und das kann man auch ohne “Ellbogen”.

  • Wahrscheinlich hat der gute Herr Recht, aber bis zu einem gewissen Grad handelt es sich doch auch um eine Self-Fulfilling-Prophecy, oder nicht? Er sagt, dass die Märkte von Angst beherrscht werden. Er kritisiert das nicht, sondern meint, dass das halt so sei, woher er wiederum die Rechtfertigung nimmt, mit Ellbogen-Taktiken vorzugehen. Moralisch bedenklich.

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